[Interviews] [Reisen] [Lounge] [Newsletter]
Bookmark and Share

Ironman, Vulkane und Fledermäuse

ein Interview mit Andreas Richter


Fernseh-Moderator und -Kommentator (TV: z.B. Premiere, DSF, Eurosport, Discovery Channel; Veranstaltungen: UNESCO-Gala, IRONMAN Schweiz u.a.),
Buchautor (“Tor! Gol! Goal! – Die große Welt des Fußballs” mit Marcel Reif und Corinna Harder),
Wirtschafts-Simultandolmetscher (Englisch), Bankkaufmann, Sport-Wissenschaftler, Leistungssportler (Triathlon, 1984-94), Pressesprecher von Formel-1-Vize-Weltmeister Heinz-Harald Frentzen (1997-98) –


Jahrgang 1961, “gebürtiger und liebender Darmstädter“, ledig, Weltbürger mit einer großen Faszination von Vietnam (“schöne Natur, nette Menschen, interessante Kultur, spannende und teilweise traurige Geschichte“).


 

Deine beruflichen Schwerpunkt-Themen sind Sport und Wirtschaft. Warum gerade diese?

Beide Themenbereiche interessieren mich einfach. Und beruflich haben mich beide geprägt: Sieben Jahre Finanzwirtschaft und 11 Jahre Leistungssport – neben Studium und all dem anderen, was ich gemacht habe.

Andreas Richter
© Sophie 19, Stuttgart
Andreas Richter

Haben die beiden Bereiche irgendetwas gemeinsam oder ist es gerade das vollkommen andere, das sozusagen für einen Ausgleich sorgt?

Sport im Hochleistungs- und Profi-Bereich ist heute ein Wirtschaftszweig. Also eine klare Gemeinsamkeit. Ansonsten reizen mich durchaus auch die Unterschiede zwischen Beidem. Meine Priorität ist eindeutig Sport. Aber am Ende macht die Mischung den Reiz für mich aus.


Wann hattest Du zum 1. Mal das Gefühl, dass Du mit dem, was Du machst, genau da bist, wo Du aufgrund Deiner Interessen und Fähigkeiten sein solltest – sprich, es für Dich zu 100% stimmig war?

Als ich nach Finanzwirtschaft, Studium und Unterrichten am Gymnasium, meinem Wunschberuf, zum Fernsehen gewechselt bin. Fernseh-Moderator und Fernseh-Kommentator das ist von klein auf immer mein Traumberuf gewesen.

 

Was genau hat Fernseh-Moderator/-Kommentator von klein auf zu Deinem Traumberuf gemacht?

Ich hatte schon früh das Gefühl, dass es sehr schön sein muss, Menschen/ Fernsehzuschauern die Formel 1 fachlich korrekt und begeisternd nahe zu bringen. Und das alles gut unterhaltend.


Hat in Deiner Kindheit schon etwas in die Richtungen gedeutet, in die Du später beruflich gegangen bist?

Ja, ganz klar mein Interesse an der Formel 1 und mein Traumberuf – beides schon mit ca. 10 Jahren. Es war die Ära von Jackie Stewart, des dreifachen schottischen Formel 1-Weltmeisters 1969, 1971 und 1973 … 


Mit 19 warst Du dann schon mittendrin im Formel-1-Geschehen und hast im Williams-Team den Fahrern Alan Jones und Keke Rosberg assistiert. Stimmt es, dass Du dort richtiggehend gelebt und nachts im LKW zwischen den Karosserieteilen geschlafen hast?

Bezogen auf die Grand-Prix-Wochenenden in Europa, ja! Für die Übersee-Rennen hatte ich kein Geld. Und in Europa bin ich mit der Bahn gereist und zu Fuß gegangen. Hotelzimmer fiel mangels Geld auch flach. D.h. manchmal 3 Tage am Stück ohne Dusche. Dann die Abgase an der Rennstrecke. Da habe ich auf der Heimfahrt manchmal komische Blicke von meinen Abteilnachbarn aufgefangen … .  (lacht)
Es war sehr spartanisch. Aber der Kern war entscheidend: Mitten in der Formel 1 dabei zu sein. Dass es Williams war, das gerade die ersten Rennen und WM-Titel gewann, war eher Schicksal oder Zufall. Zuvor hatte ich auch für Tyrrell und Shadow gearbeitet.


Dein Lebenslauf zeigt eine große Vielfalt an Ausbildungen und Berufen,
Andreas Richter im TV-Studio
© Sophie 19, Stuttgart; T-Online
Andreas Richter im TV-Studio
die Du bereits ausgeübt hast. Wie hast Du den Einstieg in immer wieder ganz neue Bereiche geschafft? War das jeweils geplant oder auch mal Zufall Schicksal/Glück – oder wie immer man es nennen mag?

Eine Mixtur aus Planung und Schicksal. Nur die Lehre zum Bankkaufmann ab 1980 sollte, direkt nach dem Abitur, zunächst eine Übergangslösung sein, war so gesehen also Zufall. Einfach, um der damaligen Enge auf dem Arbeitsmarkt für Studienräte an Gymnasien zu entkommen. Aber eine gute, die mir echt Spaß gemacht hat – und mir auch für meine heutige Selbständigkeit, also seit 1996, von Nutzen ist. Insofern war das vielleicht doch eher wieder Schicksal als Zufall.
Dass ich erst 1992, mit 31 Jahren, das erste Mal in meinem Leben ein Mikrophon in die Hand gedrückt bekam, um zu moderieren, war Schicksal – da bin ich sicher. Das war übrigens bei der weltweit ersten Triathlon-WM für Studenten. Und die wurde von der Technischen Hochschule Darmstadt (heute TUD), an der ich studierte, ausgerichtet.


Moderation + Menschen


Was ist für Dich das Interessanteste, wenn Du zum 1. Mal mit einem neuen Menschen – z.B. bei einem Interview – zu tun hast? Was möchtest Du gerne erfahren/entdecken?

Das kommt auf die Sendung, auf die Veranstaltung an. Wenn ich Zeit habe, es also beispielsweise eine 30- oder 45-Min.-Sendung ist mit nur einem Gast, dann möchte ich das Wesentliche samt ein paar Facetten des Menschen herausfinden. Aber nicht als Selbstzweck, sondern für meine Zuschauerinnen und Zuschauer. Aus deren Blickrichtung versuche ich immer Gespräche zu führen. Aus diesem Grund sage ich auch meistens lieber ’Gespräch‘ als ’Interview‘.


Wobei man letztendlich aber immer nur vermuten/erahnen kann, was die Zuschauer/den Leser tatsächlich interessiert … .

Das stimmt in gewisser Weise. Andererseits auch nicht. Denn ich nehme bei der Planung den Blick des Zuschauers als Mensch ein. Und ich bin ja auch ein Mensch, der sich wiederum andere Sendungen und Gespräche ansieht. Dazu spreche ich mit Freunden, Bekannten und auch mal wildfremden Menschen in meiner Umgebung und frage einfach, was sie denn genau in einer Sendung zu einer beliebigen Person interessieren würde. Und vor allem auch warum.


Wie bereitest Du Dich auf einen Gesprächspartner vor, insbesondere, wenn er aus einem Bereich kommt, mit dem Du ggf. nicht so vertraut bist?

Lesen, lesen, lesen, fragen, fragen, fragen und telefonieren, telefonieren, telefonieren. Normale journalistische Recherche also.

Andreas Richter mit Dirk Metz (Sprecher der Hessischen Landesregierung) auf dem Römerbalkon<br> während des IRONMAN Germany 2007
© IRONMAN Germany, Agentur Xdream
Andreas Richter mit Dirk Metz (Sprecher der Hessischen Landesregierung) auf dem Römerbalkon
während des IRONMAN Germany 2007

Du hast ja eine gewisse Eigenart bei Interviews, die Deine Gesprächspartner mitunter etwas nervös macht … .

Ja, das stimmt!  (lacht)
Meine Gäste bitten mich meistens ihnen vorher meinen Fragenkatalog zu zeigen. Und ich schockiere sie immer damit, dass ich entwaffnend offen und ehrlich sage, dass ich meine Fragen selbst noch nicht kenne. Wenn sie mich dann völlig entgeistert anschauen, erkläre ich ihnen, dass ich natürlich die Themen und den roten Faden im Kopf habe. Übrigens mache ich mir in der Regel auch nur wenige Notizen, Stichworte, auf ein Blatt Papier. Aber Fragen ausformulieren vor einer Sendung? Nein, das habe ich noch nie gemacht. Genauso wenig wie jemals mit einem Teleprompter zu arbeiten. Das ist für mich ein Anachronismus, eine Kastration meines Berufes.
Zurück zu Deiner Frage: Ich erkläre ihnen, dass er und ich uns ja auch in einem privaten Gespräch nicht vorher unsere Fragen ausformulieren und aufschreiben.


Was bringt Dich als Moderator/ Kommentator aus der Ruhe?

Bislang nichts.


Was war Deine bisher schwierigste Situation als Moderator?

Ich liebe Live-Sendungen und Live-Veranstaltungen. Die Herausforderung ist einfach größer als bei einer Aufzeichnung. Und ich kann dabei nur souverän bleiben, weil ich keinerlei Angst vor einem eigenen Fehler oder irgendeiner Panne habe. Nicht, weil ich glaube keine zu machen – ich bin auch nur ein Mensch. Aber ich weiß, dass mir immer die passende Lösung einfällt. In Bruchteilen von Sekunden, wenn es sein muss.
Und schwierig an sich gibt es für mich einfach nicht in der Situation als Moderator: Ich nenne es Herausforderung. Und ich liebe Herausforderungen in diesem Beruf! Deshalb hatte ich noch nie eine wirklich schwierige Situation als Moderator.
Herausfordernd war es einmal in einer Live-Sendung, als mein Studiogast, ein 16-jähriger Nationalspieler, ca. 1 Minute vor Rotlicht anfing zu hyperventilieren. Es war eine Live-Sendung und der Junge war das erste Mal in einem TV-Studio. Ich habe wirklich mit ihm mitgelitten. Na ja, meine einzige Aufgabe in den nächsten knapp 60 Sekunden war es dann, ihn zu beruhigen. Am Ende hat das auch geklappt, aber das war wirklich knapp …


… und Deine schönste?

Das ist schwer zu sagen, denn gab es sehr, sehr viele. Hmm, ... (überlegt einen Moment) ... ob ich alte oder junge Menschen, Weltmeister oder Kreisklassen-Sieger vor mir habe, ist völlig unerheblich. Der Mensch ist entscheidend. Und da gibt es auf beiden Seiten tolle Typen und völlig dröge.
Mit Ehrfurcht erfüllt haben mich Gespräche wie 2000 mit dem damals Mittsiebziger Sir Jack Brabham, dem australischen Dreifachweltmeister in der Formel 1. Oder solche mit Behinderten-Sportlern. Spaß gemacht hat mir auch eine Sendung mit dem hessischen Innen- und Sportminister Volker Bouffier. Weil ich es geschafft habe, ihn mehr als Mensch vorzustellen, denn als Politiker. Als ehemaligen Junioren-Basketball-Nationalspieler, beispielsweise. Was ja in der breiten Öffentlichkeit kaum jemand weiß.


Mit wem würdest Du gerne mal ein Interview machen, der bisher noch nicht Dein Gesprächspartner war?

Oh jeh … da gibt es immer wieder viele Namen. Je neugieriger ich durch die Welt gehe, um so mehr solcher Menschen finde ich. Katia und Maurice Krafft, das elsässische Vulkanologen-Ehepaar, hätte ich gerne einmal kennen gelernt. Aber sie sind leider 1991 bei einem Ausbruch des Unzen in Japan ums Leben gekommen. Unfassbar und doch wieder nicht so sensationell für solche Fachleute.
Arnold Schwarzenegger ist so einer, der Papst oder auch Kim Phuc, "Das Mädchen hinter dem Foto“ so der Buchtitel zu jener Vietnamesin, deren Photo 1972 während des zweiten Vietnam-Krieges um die Welt ging. Auch Nando Parrado und die anderen Überlebenden der wohl bizarrsten Flugzeugkatastrophe der Luftfahrt: Sie überlebten Ende 1972 in den chilenischen Anden dadurch, dass sie tote Freunde teilweise aßen. Die Überlebenden waren fast drei Monate im ewigen Eis verschollen. Oder einige meiner ehemaligen Schüler, um zu sehen, was aus ihnen geworden ist …  (schmunzelt). Und einige populäre Weltmeister oder Olympiasieger, die sich zum Doping bekennen und in einem Gespräch offen Rede und Antwort zu allen Aspekten dieses Sportbetruges stehen. Aber das bleibt vorerst wohl eine Illusion.
Aber alle würde ich immer nur am Rande in ihrer populären Position oder Rolle zeigen wollen. Die anderen Seiten würden mich auch bei ihnen mehr interessieren. Den Rest kennt man ja meistens. Oder würdest Du Dir meine Sendung anschauen, wenn ich Arnie als Schauspieler und Bodybuilder vorstellen wollte? Sicher nicht, das wäre ein alter Hut.


Wie schafft man es, 18 Stunden am Stück live zu moderieren (z.B. IRONMAN Schweiz oder Deutschland) ohne selbst oder die Zuschauer zu ermüden?

Nun, meine professionelle Lebensweise und meine Art, die Zuschauer anzusprechen. Zwar bin ich nach 18 Stunden groggy. Zumal ich bei einem Ironman-Wochenende an fünf Tagen rund 40 Stunden moderiere - auf Deutsch und Englisch und stellenweise auf Französisch. Aber ich lebe das ganze Jahre über gesund, esse und trinke das Richtige, schlafe sehr viel. Sonst könnte ich das so nicht leisten. Und natürlich ist das eines meiner absoluten Fachgebiete.
Aus Zuschauersicht, wenn ich mal die Rückmeldungen zusammenfasse, sind das sicher meine einfühlsame Art der Moderation, denn ich bin kein Schreihals, der 18 Stunden lang rumplärrt. Dann meine sonore Stimme, die sicher angenehm übers Mikro rüberkommt. Und das Gefühl, das Du nicht erlernen kannst, wie ich das Fachwissen so dosiere, dass es niemanden überfordert oder langweilt. Und die Fähigkeit mit dem Mikro bzw. dem Publikum zu flirten. Die Mischung aus allem macht’s.


Andreas Richter mit der Siegerin Julie Dibens/GBR (li.) und der zweitplatzierten Schweizerin Nicola Spirig des IRONMAN 70.3 Switzerland 2008
© Helga Ganz
Andreas Richter mit der Siegerin Julie Dibens/GBR (li.) und der zweitplatzierten Schweizerin Nicola Spirig des IRONMAN 70.3 Switzerland 2008


Sport


Was hat Dich bewegt, 3x beim härtesten Triathlon der Welt – dem Ironman Hawaii – anzutreten?
(= 3,8 km Schwimmen im offenen Meer, 180 km Radstrecke und 42,195 km Laufen)

Neugier. Neugier auf den eigenen Körper und die eigene Seele, auf Neues, auf die eigenen Grenzen und die eigene Leistungsfähigkeit. Neugier etwas zu erleben, das damals, 1987, nur ganz wenige Deutsche vor mir erlebt hatten. Und kein einziger Darmstädter. Doch, tatsächlich! Und 1988 und 1990 dann rein sportliche Leistungsaspekte. Zu sehen, was geht noch besser – oder vielleicht auch nicht.


Was macht einen ’Ironman’ aus?

Perfekte Vorbereitung rund ums Jahr – wie bei einer guten Moderation: Gesund und richtig Leben. Nicht asketisch und ohne Kalorien zu zählen. Einfach nur konsequent auf ein Ziel ausgerichtet. Durchhaltewillen, mental eher noch mehr als körperlich. Und Spaß am Sport.


Wie steht man so eine Wahnsinnsanstrengung durch?

Durch eine zielgerichtete, seriöse Vorbereitung. Und durch Gesundheit.


Wie die sportliche Vorbereitung aussieht, kann man sich auch als Laie ungefähr vorstellen. Aber wie ist es mit der mentalen, die, wie Du auch sagst, mindestens genauso wichtig ist?

Es ist kein Mentaltraining bei mir gewesen – schließlich ging es für mich nicht darum Weltmeister zu werden. Leider … (lächelt)
Bei mir waren es zwei Stränge, die die mentale Vorbereitung ausgemacht haben: Einmal das geistige Zerlegen der großen Aufgabe, die da hieß Ironman = 226 km, in kleine Stücke, die besser zu verdauen waren. Also zunächst einfach die drei Disziplinen. Dann jeweils die erste und zweite Hälfte. Bis hin zum ersten und letzten Kilometer.
Und dann den Kopf parallel zum Körper an die Distanzen und Anstrengungen zu gewöhnen und den Kopf parallel dazu sinnvoll zu beschäftigen: Konzentration auf Bewegungsabläufe, Technikkontrolle bei den Armzügen, der Wasserlage, dem runden Tritt, der Schrittlänge und –frequenz zum Beispiel. Oder Konzentration auf die richtige Ernährung – alleine das konnte entscheiden zwischen Aufgabe und guter Leistung. Also in den richtigen Minutenabständen Trinken und Essen. Dazu: Was trinke und esse ich eigentlich wann? Also beispielsweise Wasser alle 15 Min. auch ohne Durstgefühl. Cola erst auf der zweiten Marathonhälfte, damit der Blutzuckerspiegel nicht zu früh ansteigt.


Wie hat sich das angefühlt, als Du dann das 1. Mal den Ironman-Triathlon vollendet hattest?

Unbeschreiblich. Ich habe das erste Mal in einer sportlichen Situation vor Glück geweint … auf den letzten ca. 300 Metern … das war sehr bewegend. Du bist in einem seelisch-körperlichen Bereich, den Du in Deinem sonstigen täglichen Leben nicht einmal annähernd erreichst.


Macht einen so eine Erfahrung auch selbstbewusster?

Ja, sicher. Aber das erleben andere Menschen in anderen Situationen auch. In dieser Hinsicht steht für mich ein Ironman mit tausend anderen Leistungen auf einer Stufe. Das misst sich immer am Menschen und seinen Talenten, seinen Voraussetzungen, seiner Lebenssituation. Nicht an der Leistung an sich.


Als Moderator und Kommentator bist Du ja ein Mann ’des gesprochenen Wortes’. Wie war es für Dich, als Du zur Fußball-WM 2006 in Deutschland zum ersten Mal als Co-Autor eines Buches gefordert warst?

Das war eine tolle Erfahrung. Ich wollte das immer mal probieren. Und hier hat alles gut zusammengepasst: Corinna Harder, eine sehr sympathische und angenehme Kinderbuchautorin aus Frankfurt am Main, die wusste, was sie tat. Marcel Reif, der einzige Kollege im Fernsehen, den ich wirklich für seine Fähigkeiten und sein Art bewundere – wir kennen uns seit meiner ersten Fernsehstation 1992 beim ZDF. Die Zusammenarbeit möchte ich gerne wiederholen. Aber das gesprochene Wort, Kamera und Mikrophon, werden immer meine berufliche Welt bleiben, keine Frage.


© Sophie 19, Stuttgart


Was hältst Du von Sport als Medium für die Völker-Verständigung/Integration?

Da differenziere ich sehr stark unter verschiedenen Aspekten: Zunächst Profisport: Der ist als Wirtschaftszweig für bestimmte Zielgruppen unter den Zuschauern dafür geeignet. Viel mehr ist es aber Amateur-, Breitensport. Wenn es Schülersport-Austausch zwischen einer Darmstädter Schule oder einem Verein mit Partnern in sagen wir Großbritannien oder Vietnam gibt. Das wirkt völkerverbindend, die Kinder oder Jugendlichen werden diese Erfahrungen nie vergessen.
Wenn ich den olympischen Sport betrachte: Da kann der Sport keine direkte politische Funktion übernehmen. Eine indirekte schon, durch Meinungsäußerung der Athleten.
Das haben – für die Sportler krass negativ – die politisch völlig erfolglosen Boykotte oder Teilboykotte 1976, 1980 und 1984 mehr als deutlich aufgezeigt. Ich hoffe inständig, dass es in Zukunft keinen Boykott mehr geben wird. Und da fühle ich als ehemaliger Leistungssportler. Auch wenn ich nie das Talent hatte, Medaillen oder nur einzelne Rennen zu gewinnen.


Vulkane


Du interessierst Dich für Vulkane und Seismologie. Bezieht sich das mehr auf die ’technische’ Seite oder auch auf die Geschichte und die Schicksale drumherum? Was ist es, das Dich an Vulkanen interessiert/fasziniert?

Es ist die “Richter-Skala“! (lacht laut) Nein, im Ernst: Charles Richter war ein US-amerikanischer Vulkanologe, dessen Name hier Pate stand. Und mit ihm bin ich nicht verwandt. Aber meine Schüler mussten immer lachen … .
Nein, die technische Seite, also Chemie und anderes ist es nicht so sehr. Eher die unfassbare Urgewalt und die Auswirkungen auf den Mensch und seine Umgebung.
Am 18. Mai 1980, zwischen meinem schriftlichen und mündlichen Abitur, brach der Mt. St. Helens, zwischen Seattle und Portland/Oregon, USA, spektakulär aus. Bis dahin hatte ich mich als Schüler schon für das Thema interessiert. Aber diese Urgewalten in der Tagesschau im Fernsehen zu erleben, hat mich total fasziniert. Und ich habe mir damals gesagt, sollte ich Geographie studieren, werde ich meine Staatsexamens-Hausarbeit über Vulkanologie und Seismologie schreiben. Und als ich 1987 anfing zu studieren, habe ich das für 1995 auch umgesetzt. Grundlage für meine Arbeit war damals das große Erdbeben im Großraum Kobe/Osaka in Japan.


Welche Vulkane hast Du schon besucht?

Den Kilauea auf Hawaii, Vesuv, Stromboli, Vulcano und Ätna in Italien. Und viele kleine, erloschene hier in Deutschland, z.B. den Otzberg in der Nähe von Darmstadt.


Was sind die prägnantesten Unterschiede zwischen den Vulkanen?

Form, chemische Zusammensetzung der Lava und Gefährlichkeit. Wobei ein “erloschener“ Vulkan nur per Definition erloschen ist. Das ist von Menschen, von Wissenschaftlern so festgelegt und heißt nicht, dass er nie wieder explodiert.
Herausragend sind Stromboli und Kilauea. Denn sie sind die beiden einzigen Vulkane auf der Erde, die rund ums Jahr, 24 Stunden am Tag aktiv sind. Wenn auch vergleichsweise schwach.


Hast Du schon Pläne für eine nächste ’vulkanische Reise’?

Ja. Ich möchte in den nächsten Jahren den Mt. St. Helens und den Mt. Rainier in den USA, den Unzen in Japan und den Tinguiriri in Chile besteigen.


Gegenwart + Zukunft


Gibt es eine soziale Einrichtung, für die Du Dich in irgendeiner Weise speziell engagierst? Wenn ja, warum diese?

Kein noch so schönes Leben ist perfekt, jeder Mensch hat seine Probleme. Da bin ich auch keine Ausnahme. Aber grundsätzlich bin ich sehr glücklich und zufrieden mit meinem Leben. Deshalb versuche ich seit etwa 25 Jahren einiges für Menschen zu tun, denen es deutlich schlechter geht. Nicht durch ehrenamtliche Arbeit. Weil mein Vater diesbezüglich für Generationen vorgearbeitet hat und weil mir mein Beruf dafür nicht wirklich Zeit lässt. Aber durch Sach- und Geldspenden und andere Formen der Unterstützung.
Konkret habe ich mir fünf Organisationen herausgesucht. Und zwar bewusst nicht in Afrika oder sonst wo weit weg. Ich habe immer direkt sehen wollen, was mit meinem Geld passiert. Also habe ich mir Einrichtungen aus meiner Heimatstadt Darmstadt und Umgebung gewählt: Die ’Opferhilfe Südhessen‘, die sich um Opfer aller Art kümmert: von Verbrechen, Unfällen, Unglücken.
Der ’Kinderschutzbund Darmstadt‘ für die Schwächsten der Gesellschaft: Kinder eben. Die ’Darmstädter Tafel‘, die Mitmenschen mit Essen und Trinken versorgt. Für Tiere der ’Fledermausschutz Südhessen‘. Und in Sachen Kultur das Naturschwimmbad/Freibad ’Großer Woog‘ mitten in Darmstadt.
Ich hänge das aber nicht an die große Glocke, weil es mir um die Sache geht. Nicht darum, dass ich etwas Gutes tue.


Dein Vater ist also ein sozial sehr engagierter Mensch und hat Dir sozusagen die Veranlagung mitgegeben?

Meine Eltern sind beide sehr soziale Menschen und helfen, wo immer sie können. Mein Vater hat das speziell mit ehrenamtlicher Arbeit getan. Von Veranlagung spreche ich nicht, einfach von Vorbild oder Beispiel.


Welchen Bezug hast Du zu Fledermäusen?

Sie sind ob ihres Klischees verkannte und dazu possierliche und sehr nützliche Tiere und zudem vom Aussterben bedroht. Deshalb mein Engagement.


Was siehst Du als Deine Mission/Aufgabe in Deinem Leben?

Ich sehe da keine bestimmte. Ich möchte einfach weiter ein erfülltes Leben leben. Und das heißt auch, anderen mit Respekt zu begegnen, anderen zu helfen, soweit mir das irgendwie möglich ist. Wenn das auf Dauer weiter klappt, hätte ich für andere und für mich schon eine Menge erreicht.

 

Andreas Richter und Bianka Kaspar
© Bianka Kaspar
Andreas Richter und Bianka Kaspar


© Bianka Kaspar
2008



Hat Ihnen der Artikel gefallen? Wenn ja, dann bitten wir um Unterstützung von:

UNICEF - dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
http://www.unicef.de/spenden


Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
http://www.bund.net[...]index.php?f=spenden



zur Druckansicht


Hinweis: Bitte nutzen Sie für den Ausdruck den Browser 'Mozilla Firefox', da ein korrekter Ausdruck beim 'Internet Explorer' technisch leider nicht möglich ist.


Startseite | Interviews | Reisen | Lounge | Newsletter | Kontakt | Impressum + Datenschutz