[Interviews] [Reisen] [Lounge] [Newsletter]
Bookmark and Share

Kann man da hinfahren?

ein Interview mit Uriel Kashi


– Reiseleiter in Israel –


Jahrgang 1976, in Jaffa/Israel geboren, Studium der Jüdischen Geschichte und der Erziehungswissenschaften in Berlin und Jerusalem, 2001-07 Bildungsreferent im Jüdischen Museum Berlin, 2006-07 Legacy Heritage Fellow im Berliner Büro des American Jewish Committee, lebt seit August 2007 in Israel, Hobbies: eigene Reisen, Theater und Kino.  -  www.reiseleiter-israel.de


Uriel Kashi
© Uriel Kashi
Uriel Kashi
In Israel geboren haben Sie mehrere Jahre in Deutschland studiert und gearbeitet. Warum gerade hier?


Mein Vater ist Israeli, meine Mutter hingegen Deutsche. Meine Kindheit habe ich in Deutschland verbracht, aber wie in vielen Migrantenfamilien üblich, fuhren wir in den Sommerferien für einige Wochen zur Verwandtschaft nach Israel. Ich fühlte mich also immer in beiden Ländern sehr wohl und zu Hause. Direkt nach der Schule zog es mich dennoch wieder nach Israel zurück und nach einigen Jahren des Hin- und Her-Pendelns bin ich nun seit 10 Jahren wieder fest in Israel ansässig.


Sie sind inzwischen seit einigen Jahren als Reiseleiter in Israel tätig mit einem so exzellenten Ruf, dass Sie neben ‘normalen‘ Reisegruppen, politischen und Studiengruppen sogar mit so bekannten Persönlichkeiten wie Thomas Gottschalk, Ex-Telekom-Chef Ron Sommer (in Haifa geboren) und dem Schriftsteller Mario Giordano (u.a. mehrere „Tatort“-Drehbücher) auf Tour gegangen sind. Wie bereiten Sie sich auf solche spezielleren Reisegäste vor?

Ich unterscheide nicht zwischen ‘VIPs‘ und ‘normalen‘ Reisenden. Meine Vorbereitungen beginnen immer mit dieser Frage: „Warum reist diese Person, diese Gruppe nach Israel?“

Es gibt da ein ganzes Kaleidoskop an Interessen und Ansprüchen an eine Reise durch Israel: Die einen legen ihren Fokus auf religiöse Themen. Christliche Gruppen suchen oft den Ursprung ihrer eigenen Religion und Kultur, da sie wissen, dass das Christentum einst aus dem Judentum hervorging. Oft interessieren sie sich sehr für die Sicht auf die Figur Jesu aus jüdischer Perspektive. Sie hoffen, während ihrer Reise die Wurzeln der eigenen Kultur und Religion besser kennenzulernen.
Andere sind politisch motiviert und wollen endlich etwas mehr Klarheit über den israelisch-palästinensischen Konflikt erhalten. Besonders bei diesem Schwerpunkt fällt mir als Reiseleiter eine besondere Verantwortung zu. Es ist wichtig, bei solchen Programmen möglichst neutral die verschiedenen Akteure und ihre Positionen vorzustellen.
Und dann gibt es auch noch viele sehr spezielle Gruppen mit ganz besonderen Interessen: Psychologen, deren Thema der Umgang mit Traumata ist oder Architekten, die Israels vielfältige Baukunst erkunden wollen und dabei weitaus mehr als das Bauhaus-Weltkulturerbe in Tel Aviv sehen. Oder die Wüstenliebhaber, die die Natur im Negev erleben wollen. Und … und … und … .
Je mehr ich also im Vorfeld über die Interessen und Bedürfnisse meiner Gäste erfahre, desto besser kann ich ein entsprechendes Programm entwickeln. Genau das ist es aber auch, was für mich selbst immer wieder eine neue Herausforderung und Bereicherung ist.


Bahai-Gärten in Haifa
© Bianka Kaspar
Bahai-Gärten in Haifa
Vor Kurzem war ich selbst im Rahmen einer Kreuzfahrt drei Tage in Israel unterwegs und habe mich dort als Tourist nie unsicher gefühlt. Leidet die Tourismus-Industrie unter dem Image Israels als immerwährendem Krisenherd?


Ja, auf jeden Fall! Erst letzte Woche hat mir ein Gast aus Dortmund erzählt, wie er von Freunden und Verwandten für verrückt erklärt wurde, in ein so gefährliches Land zu fahren. Viele erwarten, in Israel eine gewisse Anspannung zu spüren, von der während der Rundreise dann überhaupt nicht mehr die Rede ist. Der Alltag in Israel ist sehr friedlich und entspannt. Wenn man nach einem ereignisreichen Tag abends an einer Strandbar in Tel Aviv oder im arabischen Restaurant in Jaffa sitzt, stellt sich der eine oder andere die Frage, warum die Medien sich immer nur auf die Konflikte und das Negative konzentrieren müssen.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich gibt es in Israel Probleme und wer mich kennt, weiß, dass ich vielen Positionen der heutigen israelischen Politik sehr kritisch gegenüberstehe. Aber der politische Konflikt bestimmt nicht den Alltag.
Hinzu kommt, dass gerade der Tourismus den Dialog zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen fördert. Es gibt kaum einen anderen Bereich, in welchem Juden, Christen und Muslime, Israelis und Palästinenser so eng zusammenarbeiten wie im Tourismus. Auch um Israel und die Palästinenser zu unterstützen, ist es also gut und richtig, gerade jetzt ins Land zu kommen.


Könnte Israel als relativ kleines Land überhaupt mehr Touristen vertragen?

Im Vergleich mit den großen touristischen Anziehungspunkten in Europa, wie Wien, Prag, Venedig oder Barcelona, gibt es in Israel sicherlich noch viel Luft nach oben. Allerdings sind viele Hotels in der Hauptsaison tatsächlich ausgebucht oder sehr teuer. Es ist kurzfristig nicht einfach, gerade für größere Gruppen, noch gute Hotelzimmer zu bekommen. Ich empfehle daher meinen Gruppen, wenn möglich ihre Reise in der Nebensaison (von November bis Februar) zu planen. Gerade dann ist das Wetter hier viel besser als in Deutschland und man hat die Sehenswürdigkeiten fast für sich alleine.


Die meisten ausländischen Besucher kommen aktuell aus den USA, wie erklären Sie sich das?

Die USA beherbergen neben Israel die größte jüdische Gemeinde weltweit. Hinzu kommen natürlich auch die vielen christlichen Besucher, die sich ähnlich wie Europäer für das Land Jesu interessieren.


Der Jordan südlich vom See Genezareth
© Bianka Kaspar
Der Jordan südlich vom See Genezareth


Wenn ich mit Einheimischen ins Gespräch kommen sollte: Worüber sollte ich besser nicht reden und mit welchem Wissen könnte ich dagegen positiv punkten?

Das ist eine sehr spannende Frage: Viele deutsche Besucher haben oft Angst, etwas ‘falsch‘ zu machen. Gerade ältere Touristen fragen mich oft, ob es in Ordnung sei, in der Öffentlichkeit Deutsch zu sprechen und ob Israelis Deutsche aufgrund des Holocausts ablehnen würden.
Es mag verwundern, aber Deutschland genießt in Israel heute ein sehr positives Ansehen! Die große Mehrheit von Israelis kann sehr gut zwischen den Deutschen damals und heute unterscheiden. Entsprechend fallen mir auch keine Themen ein, die man im persönlichen Gespräch nicht anschneiden sollte.
Positiv punkten kann man sicherlich mit neugierigen Fragen! Israelis freuen sich, wenn man sich für ihr Land interessiert.


Russisch-orthodoxe Kirche in En Karem, <br>dem Geburtsort Johannes des Täufers<br><br>
© Bianka Kaspar
Russisch-orthodoxe Kirche in En Karem,
dem Geburtsort Johannes des Täufers

Israel ist eines der wenigen Länder weltweit, in dem Wehrpflicht für Frauen besteht. Wie sieht es sonst im Alltag mit der Gleichstellung von Mann und Frau aus?


Heiter bis wolkig, ganz ähnlich wie in Deutschland.

Eine kleine Episode, die etwas vom israelischen Alltag zeigt: Vor ein paar Tagen beobachtete ich mit einer deutschen Reisegruppe eine kleine Zeremonie israelischer Soldaten an der Klagemauer. Eine Kommandantin sprach im militärischen Ton zu ihren jüngeren Rekruten. Es war klar, dass sie ihre ‘Jungs‘ voll und ganz im Griff hatte. Auch wenn die Präsenz des Militärs an dem heiligen Ort erst mal irritierte, fanden meine deutschen Gäste das selbstbewusste Auftreten der jungen Frau sehr beeindruckend.

Ich glaube, es gibt in Israel viele starke Frauen: Israel ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in dem die Absolventinnen eines Doktoratsstudiums an den Universitäten in der Überzahl sind. Auch steht Israel, was den prozentualen Anteil von Frauen in Firmenvorständen angeht (mit allerdings nur 15 %) auf Platz zwei weltweit. Gleichzeitig verdienen Frauen für dieselbe Arbeit oft weniger als ihre männlichen Kollegen. Und in der Knesset – dem israelischen Parlament – beträgt der Frauenanteil gerade mal 24 %. In Deutschland sind es immerhin 36 %.


Blick auf die Altstadt von Jerusalem<br> mit der goldenen Kuppel des Felsendoms von 691 n. Chr.
© Bianka Kaspar
Blick auf die Altstadt von Jerusalem
mit der goldenen Kuppel des Felsendoms von 691 n. Chr.


Jerusalem ist eine heilige Stadt für drei Weltreligionen (Christen, Juden, Islam). Wie und wie gut funktionieren heutzutage das Zusammenleben und die jeweiligen Rituale/Feierlichkeiten an den heiligen Stätten?

Südlich der heutigen Altstadtmauern – auf dem sog. Zionsberg – befindet sich ein Bauwerk, das ich manchmal mit einem Augenzwinkern das „heiligste Gebäude Jerusalems“ nenne.
Im Erdgeschoss dieses Gebäudes befindet sich eine Synagoge, weil manche Juden dort das Grab König Davids vermuten. Im zweiten Stockwerk hört man viele christliche Gesänge, weil dort manche Christen den Saal des letzten Abendmahls sowie den Ort des Pfingstereignisses lokalisieren. Der erst im Mittelalter entstandene Bau wurde – so glaubte zumindest der Benediktinermönch Bargil Pixner – aus Trümmersteinen errichtet, die ursprünglich zum jüdischen Tempel gehörten. Und oben auf dem Dach steht ein muslimisches Minarett, da Sultan Süleyman I. 1522 den Saal von den Franziskanern eroberte und diesen in eine Moschee zur Erinnerung des Propheten Davids verwandelte. Entsprechend befindet sich im Abendmahlsaal neben einer von Papst Johannes Paul II gestifteten Olivenbaum-Skulptur auch eine schön verzierte Mihrab – eine muslimische Gebetsnische. Heute wird das gesamte Gebäude vom israelischen Religionsministerium verwaltet.

Es gibt wenige Städte auf der Welt, in welchen so viele Heiligtümer unterschiedlicher Religionen so eng beisammen liegen wie in Jerusalem. Natürlich gibt es an manchen Stellen Konflikte und jede Partei versucht, die eigenen Interessen und Bedürfnisse auch auf Kosten der anderen Religionsgruppen durchzusetzen. Keine der Religionen verwaltet dabei alle für sie heiligen Orte und muss Kompromisse eingehen.
Vom Ideal eines komplett harmonischen Miteinanders der Religionen sind wir sicherlich noch weit entfernt. Doch funktioniert das Zusammenleben den Umständen entsprechend gar nicht so schlecht und alle Religionsangehörigen können ihren Glauben – manchmal sogar über- oder untereinander – ausleben.


Die Kirche der Nationen am Ölberg, Jerusalem
© Bianka Kaspar
Die Kirche der Nationen am Ölberg, Jerusalem


In der Vergangenheit sind viele Juden u.a. aus Russland in Israel eingewandert. Fällt die Integration schwer?

Es kommt wohl darauf an, was man unter Integration versteht ... .

Die Einwanderungswelle aus der ehemaligen Sowjetunion Anfang der 90er-Jahre war tatsächlich eine große Herausforderung für den Staat Israel. Der Grund war ganz einfach die Menge: Über eine Millionen Menschen kamen in ein Land, das damals selbst nur knapp 5 Mio. Einwohner zählte. Ein Bevölkerungszuwachs von fast 20 % innerhalb weniger Jahre.
Im Gegensatz zu früheren Einwanderungswellen traten die russischen Immigranten dabei von Anfang an sehr selbstbewusst auf. Sie gründeten russische Zeitungen, Fernsehsender und sogar Supermärkte, in welchen die meist nichtreligiösen Einwanderer ihre (unkoscheren) Bedürfnisse stillen konnten.
Tatsächlich warfen viele alteingesessene Israelis den Zuwanderern damals einen fehlenden Integrationswillen vor. Heute ist das praktisch kein Thema mehr. Die ‘Russen‘ wurden zu Israelis und russischstämmige Israelis finden sich heute in unterschiedlichsten Positionen: als Kleinunternehmer, als Chefärzte in Krankenhäusern oder als Professoren an Universitäten.
In der Politik nimmt die damals gegründete ‘russische‘ Partei (Israel unser Haus) in der Knesset eine interessante Position ein. Während sie einerseits eine stärkere Trennung von Staat und Religion fordert und wirtschaftspolitisch sozialdemokratische Positionen vertritt, steht sie außenpolitisch für sehr rechte und nationalistische Positionen.


Das Damaskus-Tor <br>ist das größte aller Jerusalemer Tore der Altstadtmauer<br> und steht zwischen christlichem und arabischem Viertel
© Bianka Kaspar
Das Damaskus-Tor
ist das größte aller Jerusalemer Tore der Altstadtmauer
und steht zwischen christlichem und arabischem Viertel


Was dürfte das größte Missverständnis sein, das gegenüber Israel in den unterschiedlichen Kulturen/Nationen vorherrscht?

Viele Besucher wundern sich, wie pluralistisch die israelische Gesellschaft und damit auch Kultur ist. Gerade haben wir über die russischstämmigen Juden gesprochen, die das Land in den letzten Jahren stark geprägt haben. Dasselbe gilt aber auch für Juden arabischer Herkunft, für kurdische Juden oder Äthiopier, die in den letzten 25 Jahren ins Land kamen. Palästinenser und Juden, Drusen und Beduinen, Religiöse und Säkulare, Sefarden und Aschkenasen, Linke und Rechte. Israel und seine Bevölkerung gleicht einem bunten Bild, das sich aus vielen kleinen Mosaiksteinchen zusammensetzt. Ein Steinchen in diesem großen Mosaikbild waren lange Zeit auch die deutschsprachigen Juden, die dieses Land gerade in den Anfangsjahren maßgeblich mit geprägt und gestaltet haben. Wer Israel verstehen möchte, muss sich mit den vielen sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen der Menschen auseinandersetzen. Das größte Missverständnis besteht daher darin, Israel auf nur eine dieser Gruppen oder den Konflikt zu reduzieren.


Die Menora, der siebenarmige Kerzenleuchter, ist ein Symbol Israels und findet sich z.B. in überdimensionaler Darstellung in Jerusalem gegenüber der Knesset (Regierungsgebäude). Wofür steht sie und was ist die unterschiedliche Bedeutung zum neunarmigen Leuchter des Chanukka-Festes?

Die Menora, der siebenarmige Leuchter, ist wohl das älteste jüdische Symbol überhaupt. Bereits in der Bibel wird erzählt, wie Moses auf dem Berg Sinai den Auftrag bekam, neben dem Stiftzelt auch einen Leuchter zu errichten.
Etwa fünf Meter hohe Menora <br>gegenüber des israelischen Parlaments <br>(Knesset) in Jerusalem<br><br>
© Bianka Kaspar
Etwa fünf Meter hohe Menora
gegenüber des israelischen Parlaments
(Knesset) in Jerusalem

Die Kinder Israels trugen ihn anschließend vierzig Jahre durch die Wüste. Später wurde er im Jerusalemer Zentralheiligtum, dem jüdischen Tempel, aufgestellt. Der berühmte Titusbogen in Rom zeigt eine Darstellung der Menora als Teil der Beute, die die Römer nach der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. Chr. nach Rom brachten.

An Chanukka feiern Juden die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. Die Makkabäer hatten die Herrschaft des Seleukidenreiches über Judäa beendet und beseitigten den von Griechen im jüdischen Tempel errichteten Zeus-Altar. Nach der Überlieferung wollten sie anschließend das Ewige Licht des Tempels entzünden, fanden jedoch nur noch einen Krug geweihten Öls vor, welches nur für einen Tag gereicht hätte. Durch ein „Wunder Gottes“ leuchtete das Licht aber acht Tage, solange bis neues ‘koscheres‘ Öl zum Tempel gebracht werden konnte. Aus diesem Grund entzünden Juden während der acht Chanukka-Tage den achtarmigen Chanukka-Leuchter. Der neunte Arm hält die Kerze, mit welcher die anderen acht entzündet werden.


Auf der Rückfahrt von Jerusalem fuhren wir an einem Flussbett vorbei, bei welchem sich das Zusammentreffen von David und Goliath abgespielt haben soll. Können Sie uns dazu etwas erzählen?

Ja, das wird im Ela-Tal gewesen sein, gelegen zwischen den Bergen Jerusalems und der Küstenebene. Das Ela-Tal zwischen den antiken Orten Sokho und Azekah bildete damals die Grenze zwischen dem israelitischen Land und dem Gebiet der Philister.
Der berühmte Zweikampf zwischen David und Goliath gehört sicherlich zu den faszinierendsten Kapiteln der hebräischen Bibel. David, ein kleiner Hirtenjunge aus Bethlehem, besiegt durch Klugheit und Geschick den übermächtigen Goliath.
Es ist in der Bibelwissenschaft übrigens umstritten, ob es König David überhaupt gegeben hat bzw. ob er ein so großer und ruhmhafter Herrscher war, wie ihn die Bibel gerne beschreibt.

Direkt daneben befindet sich Khirbet Qeiyafa, wo zur Zeit unter der Leitung von Prof. Yosef Garfinkel neue archäologische Ausgrabungen stattfinden. Die Funde gelten als äußerst wichtig, insbesondere wenn man sich für biblische Archäologie interessiert. Wir können gespannt sein, ob hier in den kommenden Jahren auch Hinweise auf den berühmten Zweikampf gefunden werden.


Wo würden Sie mit Touristen hinfahren, die bereits alle großen Städte und biblischen Stätten gesehen haben, aber trotzdem gerne noch etwas Neues in Israel entdecken würden? Wie sieht es mit Flora und Fauna (z.B. Zugvögel) aus?

Ein wunderbarer Ort für eine kleine Entspannung zwischendurch ist der Nationalpark Gan HaShlosha (unweit von Beit Shean) mit seinen drei riesigen, ineinander übergehenden Thermalpools. Die Wassertemperatur beträgt dort ganzjährig 28 Grad! Das Ganze ist umgeben von kleinen Wasserfällen und einer traumhaften Landschaft. Das Time Magazine hat den Park nicht ohne Grund zum schönsten Ort Israels und einem der zwanzig exotischsten Plätze der Welt gewählt.

Für Vogelbeobachtung bietet sich das Hula Naturreservat (Agamon Hula) an – ein wichtiger Rastplatz für Zugvögel aus Europa. Knapp 500 Millionen Vögel ziehen auf ihrem Weg von Europa nach Afrika und wieder zurück zweimal im Jahr über Israel. Ein wirkliches Naturspektakel bietet sich, wenn Zehntausende Störche, Kraniche oder Pelikane gleichzeitig zum Landeanflug ansetzen. Solche Bilder bleiben einem für immer in Erinnerung.


Uralte Olivenbäume im Garten Gethsemane <br>neben der Kirche der Nationen am Ölberg, Jerusalem
© Bianka Kaspar
Uralte Olivenbäume im Garten Gethsemane
neben der Kirche der Nationen am Ölberg, Jerusalem


Ihr Name Uriel bedeutet „Licht Gottes“ bzw. steht für einen Engel. Fühlen Sie sich manchmal ein wenig wie ein Engel, wenn Sie den Besuchern Ihres Landes dieses näher bringen, hinter die Dinge blicken lassen und somit auch einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten? (Wissen Sie, warum Ihre Eltern diesen Namen für Sie gewählt haben?)

Ach nein, ganz so uneigennützig sehe ich meinen Job nicht. Im Gegenteil: Während der Führungen entwickeln sich fast immer spannende Gespräche über „Gott und die Welt“ (im wahrsten Sinne des Wortes!). Letztendlich macht es mir immer noch Spaß, mit interessierten Menschen durch das Land zu reisen.

Benannt bin ich übrigens nach meinem Großvater, der im Iran aufwuchs. Dort mussten Juden ihre Identität geheim halten, daher gab man ihm den moslemischen Namen: „Nur-Allah“ - übersetzt ins Hebräische „Uriel“. Aber das ist eine andere Geschichte … .


Welcher Art ist der israelische Humor? Haben Sie eine Kostprobe für uns?

Israelischer Humor ist oft sehr selbstironisch! Ein berühmter Witz stammt aus den Pionierjahren des neuen Staates. Das war eine Zeit, die von zahlreichen Kriegen und Wirtschaftskrisen geprägt war: „Ein Jude musste aus seiner Heimat flüchten. Nun betritt er israelischen Boden und seufzt: ´Zweitausend Jahre haben wir vergeblich um Rückkehr gebetet – und ausgerechnet mich muss es treffen!´“


Abendliche Ausfahrt aus dem Hafen von Haifa
© Bianka Kaspar
Abendliche Ausfahrt aus dem Hafen von Haifa


© Bianka Kaspar
2017


Hat Ihnen der Artikel gefallen? Wenn ja, dann bitten wir um Unterstützung von:

UNICEF - dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
http://www.unicef.de/spenden


Ärzte ohne Grenzen e.V.
http://ssl.aerzte-ohne-grenzen.de[...]online-spenden



zur Druckansicht


Hinweis: Bitte nutzen Sie für den Ausdruck den Browser 'Mozilla Firefox', da ein korrekter Ausdruck beim 'Internet Explorer' technisch leider nicht möglich ist.


Startseite | Interviews | Reisen | Lounge | Newsletter | Kontakt | Impressum + Datenschutz