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Jenseits von Hollywood

Wie entdeckt man in Los Angeles Interessantes, das in keinem Reisehandbuch steht? Man vertraut sich einem besonderen Reiseführer an, der eigentlich gar keiner ist: dem Schauspieler Philippe Brenninkmeyer – “Die Liebe ein Traum“, “Im Tal der wilden Rosen – Fluss der Liebe“, Inga Lindström: “Sommer der Entscheidung“, “Stubbe – von Fall zu Fall“, "girl friends" (Serie), Barbara Wood: “Das Haus der Harmonie“, “Liebe, Lügen, Leidenschaften“ (Mehrteiler), “Sex and the City“, “Law and Order“, Mary Higgins Clark: “Wo waren Sie, Dr. Highley?“, “Das Kanzleramt“ etc.


Los Angeles: Stadt der Engel? Wer weiß. Die zweitgrößte Stadt der USA, die sich mit ca. 3,9 Mio. Einwohnern auf einer Fläche von etwa 1.200 km² erstreckt, vereint auf jeden Fall eine kulturelle Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Vororte, die längst miteinander verschmolzen sind und ein Stadtbild, das sich von einer Straße zur nächsten komplett verändert. Pagoden in Chinatown, meterhohe Neon-Reklamen in Hollywood oder schattige Alleen mit Luxusvillen in Beverly Hills und Bel Air sind nur offensichtliche Beispiele.
© Bianka Kaspar

Stadt des größten Stadtparks der U.S.A., der Mega-Staus, der Künstler, der Film-Industrie, der Träume? Auf jeden Fall! Es gibt viel Schein und viel Fassade in L.A., doch wir wollen einen Blick in das wirkliche Leben eines international bekannten Schauspielers werfen: an den Ort harter Arbeit und den der Entspannung. Wir sind zu Besuch bei Philippe Brenninkmeyer in seiner neuen Wahlheimat Kalifornien.

Vorbei am Flughafen und Santa Monica geht die Fahrt von unserem Hotel in Long Beach nach Norden in das Zentrum der amerikanischen Film-Industrie. Eine der Gemeinden im San Fernando Valley – auch ”Valley of the Stars” genannt –, die verwaltungstechnisch zu Los Angeles gehört, ist NoHo (North Hollywood).


North Hollywood

Einst Heimat der Shoshone und Chumash Indianer, später Farmland, nahm die Geschichte des Tals 1912 ihre entscheidende Wende in Richtung Filmgeschäft. Der 1884 aus Deutschland nach Amerika ausgewanderte Carl Laemmle zog mit seiner “Independent Motion Picture Company“ von New York nach L.A., woraus dort die “Universal Pictures“ wurden. 1915 öffnete Laemmle sein Reich “Universal City“, das auf einer 100 Hektar großen Farm entstanden war, der Öffentlichkeit: die ersten Studio-Touren waren ins Leben gerufen. Durch die Besucher erhoffte er sich Mund-zu-Mund-Propaganda für die Filme, die dort entstanden, wie z.B. “Der Glöckner von Notre-Dame“ (1923), “Das Phantom der Oper“ (1925) oder “Im Westen nichts Neues“ (1935), wofür er mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.
© Bianka Kaspar

Unser Ziel, der NoHo Arts District, befindet sich ca. 1½ km nördlich von den Universal Studios und bezeichnet sich als L.A.’s kulturelles Zentrum. Nicht nur die berühmte Emmy-Statue (der Fernseh-Oscar) ist dort beheimatet, sondern auf einem Gebiet von nur 1,6 km² befinden sich 22 Theater, 14 Kunstgalerien und sieben professionelle Tanz-Studios. Desweiteren schmückt sich das Viertel mit der höchsten Konzentration an Ton-Studios westlich des Mississippi.

Treffpunkt mit Philippe Brenninkmeyer ist ein Theater am Lankershim Boulevard, der nach Isaac Lankershim, der 1871 zusammen mit Isaac Newton Van Nuys die gesamte südlich Hälfte des Tals kaufte, benannt wurde.

“The Tribe Theatre Company besteht aus 60-70 Schauspielern
© Bianka Kaspar
unter der Leitung von Stuart Rogers, der als Artistic Director und Regisseur fungiert. Innerhalb dieser Gruppe von Schauspielern gibt es verschiedene Gremien, die sich aus je 5-6 Mitgliedern zusammensetzen. Ein Gremium befasst sich z.B. damit, geeignete Stücke zur Aufführung zu suchen. Auf diese Weise bekamen wir schon für mehrere Stücke, die bereits in New York gelaufen waren, die Rechte für eine Los-Angeles-Uraufführung.“, erzählt der Schauspieler.

“The Theatre Tribe“ ist eine Non-Profit-Organisation – somit unabhängig von profit-orientierten Investoren – und basiert auf der Philosophie des legendären New Yorker “Group Theater“ (1931-41) und dem später daraus hervorgegangenen “Actors Studio“ (seit 1947). Im Vordergrund steht die Entwicklung der beteiligten Schauspieler, Autoren und Regisseure.


Theater-Geschichte

1931 taten sich Lee Strasberg, Harold Clurman und Cheryl Crawford in New York zusammen, um die – in ihren Augen – altmodische leichte Unterhaltung der Theaterszene in den späten 20er-Jahren zu verändern. Mit einem festen Ensemble von ca. 30 Schauspielern versuchten sie, die damalige Situation der Gesellschaft dramatisiert widerzuspiegeln. Dem Vorbild des “Moscow Art Theater“ folgend lag der Schwerpunkt der Arbeit des “Group Theater“, seinem Namen gerecht werdend, nicht mehr auf einzelnen Akteuren, sondern auf einer gemeinschaftlichen Darstellung.
Theater-Eingang
© Bianka Kaspar
Theater-Eingang
Ein weiterer Einfluss waren die innovativen Ansätze von Constantin Stanislavsky, einem der Begründer des “Moscow Art Theatre“. Lee Strasberg konzentrierte sich dabei auf das “Method Acting“, eine Technik, die sich mit der realistischen Darstellung von Gefühlen auf der Bühne beschäftigt und noch heute Gültigkeit hat. Basierend auf eigenen Erlebnissen und Erfahrungen wird der Schauspieler befähigt, diese “Erinnerungen“ immer wieder unmittelbar abrufen und gezielt einsetzen zu können.

Das “Group Theater“ und das später durch den griechisch-stämmigen Oscar-Preisträger Elia Kazan (“Endstation Sehnsucht“, “Jenseits von Eden“), Cheryl Crawford und Robert Lewis nachfolgende “The Actors Studio“, dem sich auch Lee Strasberg wieder anschloss, brachten viele weitere erfolgreiche und berühmte Schauspieler, Regisseure und Autoren hervor, wie z.B. Marlon Brando, James Dean, Marilyn Monroe, Gregory Peck, Clifford Odets, Paul Newman, Anne Bancroft, Sidney Poitier, Steve McQueen, Robert De Niro und Al Pacino.

Auch ein Philippe Brenninkmeyer, der in Deutschland seine größte Fan-Gemeinde hat und sich seine Rollen längst aussuchen kann, arbeitet fortwährend an seiner Weiterentwicklung.
“Einmal wöchentlich gehe ich hier zum Schauspiel-Unterricht.“, verrät er uns.
Philippe Brenninkmeyer <br> auf der Theater-Bühne.
© Bianka Kaspar
Philippe Brenninkmeyer
auf der Theater-Bühne.
Und bei den “Stuart Rogers’ Acting Studios“ schließt sich somit der Kreis im doppelten Sinn. Zum einen teilen sich die Akademie und der “Theatre Tribe“ die Räumlichkeiten und zum anderen basiert auch Stuart Rogers’ Herangehensweise auf dem Gedankengut von Constantin Stanislavsky. Stuart Rogers, der selbst 12 Jahre als Schauspieler aktiv war, ist in der Branche kein Unbekannter. Einige Preise als Regisseur und Drehbuchautor hat er bereits erhalten und z.B. auch der amerikanische Schauspieler Sean Hayes – hierzulande besser bekannt als Jack McFarland in der Serie “Will & Grace“ – gehörte zu seinen Studenten.

Nur ca. 40 Plätze im Zuschauerraum des Theaters des “Theatre Tribe“ garantieren ein intensives, um nicht zu sagen intimes, Theater-Erlebnis. Regelmäßige lobende Kritiken u.a. in der L.A. Times, L.A. Weekly und Daily News bestätigen die hohe künstlerische Qualität der Arbeit der Schauspieler, Autoren, Regisseure und Designer, die sich – ihrem Traum folgend, Menschen nicht nur zu unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anzuregen – an diesem Ort jenseits des Glamour zusammengefunden haben.


American Diner

Inzwischen ist es Mittag und unser “Guide“ chauffiert uns in seinem Wagen den Riverside Drive entlang ins benachbarte Burbank. Dort unterhält nicht nur Tony Curtis sein Postfach, sondern auch der Fernsehsender NBC (“The Tonight Show“), der Disney Channel und die Warner Bros. ihre Studios.
© Bianka Kaspar
An der Kreuzung Rose Street stehen drei Lokalitäten zur Auswahl. Beim Anblick der riesigen Werbetafel von “Bob’s Big Boy“ wartet Philippe Brenninkmeyer mit einem Geständnis auf: “Ich liebe Burger!“
Dieser 1949 erbaute und noch immer im Stil der 50er-Jahre gehaltene Coffee-Shop diente 1995 als Kulisse im Film “Heat“ mit Al Pacino und Robert De Niro und ist zwischenzeitlich vom Staat Kalifornien zu einem Ort geschichtlichen Interesses erklärt worden.
Letztendlich bleiben wir doch nur zum Tee und wandern ab ins gegenüberliegende “Mo’s“. In dem leicht rustikalen, mit viel dunklem Holz ausgestatteten Restaurant werden die verschiedenen Burger allerdings nicht serviert, sondern der Gast kann sich an der Burger-Theke seinen persönlichen Garnierungs-Wünschen hingeben. Die umfangreiche Karte bietet viele weitere leckere Gerichte aus der amerikanischen Küche, die weit mehr ist, als Burger und Steaks. Auch an hungrige, Texte lernende Schauspieler ist gedacht: der dem Restaurant angeschlossene “Screen Actors Grill“ bietet zur Mittagszeit einen Wrap-Lieferservice.

Aussicht ins San Fernando Valley <br>von den Hollywood Hills aus gesehen.
© Bianka Kaspar
Aussicht ins San Fernando Valley
von den Hollywood Hills aus gesehen.


Wandern in Los Angeles

Frisch gestärkt steht uns der Sinn nach etwas Stille und Bewegung. Nur eine kurze Fahrt den Laurel Canyon Boulevard entlang, entfliehen wir dem geschäftigen Treiben. Das frühere Anwesen von Stummfilm-Star Will Acres ist heute das Naturschutzgebiet “Wilacre Park“ im östlichen Teil der Santa Monica Mountains.
Philippe Brenninkmeyer und Bianka Kaspar<br>in den Hollywood Hills
© Bianka Kaspar
Philippe Brenninkmeyer und Bianka Kaspar
in den Hollywood Hills

“Nachher kann ich Ihnen noch das Haus von George Clooney zeigen!“, lockt der Neu-Kalifornier. Dabei ist das doch gar nicht nötig. Außerdem … wer denkt schon an fremder Leute Häuser, wenn er mit Philippe Brenninkmeyer beim “Hiking“ ist?

Der ca. 4,5 km lange Rundweg mit dem Namen “Betty B. Dearing Trail“ erhebt sich auf der Rückseite der Hollywood Hills oberhalb von Studio City und bietet schöne Ausblicke auf das San Fernando Valley, bewaldete Canyons und den Mulholland Drive, der bekannt ist für die Villen zahlreicher Hollywood-Stars. Platanen und Eichen bieten immer wieder Schatten und am Gipfel sorgen Trinkwasser-Brunnen für Erfrischung von Mensch und Hund.

Die Santa Monica Mountains - die einzige Bergkette, die in den U.S.A. eine Großstadt in zwei Teile spaltet –
Philippe Brenninkmeyer beim Hiking
© Bianka Kaspar
Philippe Brenninkmeyer beim Hiking
haben eine Ausdehnung von 16 Kilometern von Nord nach Süd an ihrer breitesten Stelle und vom Pazifik 80 Kilometer nach Osten bis zum Griffith Park. Zerklüftete, großteils noch fast unberührte Natur, von Wanderwegen durchzogen. Unmittelbar an dieser pulsierenden Großstadt wurde ein Stück Wildnis erhalten. Davon zeugt auch die Vielfalt der Tiere, die dort leben, wie z.B. Erdhörnchen, Hasen, Waschbären, Opossums, Maultierhirsche, Koyoten, Füchse und die menschenscheuen, daher nur sehr selten in höheren Lagen gesehenen, Pumas. In die Lüfte schwingen sich neben etlichen Zugvögeln auch Habichte, Wanderfalken und Steinadler.

Bevor Sie am Ende des Trails zu Ihrem Wagen zurückkehren, dürfen Sie dann noch einen Blick zum Anwesen eines gewissen “G.C.“ an der Iredell Lane werfen.

Zu spät bemerken wir, dass wir vergessen hatten, rechtzeitig unseren Wunsch-Abschluss für diesen besonderen Tag 'anzumelden': Philippe Brenninkmeyer live und in Aktion auf der Theater-Bühne. Und so steht leider für diesen Abend nichts auf dem Spielplan. Dann aber beim nächsten Mal, ok!?


Bianka Kaspar mit Philippe Brenninkmeyer in Mo's.
© Bianka Kaspar
Bianka Kaspar mit Philippe Brenninkmeyer in Mo's.

© Bianka Kaspar
2006/2008



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