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Musik – Unentbehrlich wie die Luft zum Atmen

ein Interview mit Fritz Egner

– Radio- und Fernseh-Moderator –

Jahrgang 1949, in München geboren, ehemaliger Studiotechniker bei AFN American Forces Network im Studio München, 25 Jahre TV-Moderator (u.a. ARD: „Dingsda“, ZDF: „Versteckte Kamera“, Bayer. Fernsehen: „Fritz meets …“, SAT1: „Die Weltgeschichte des Tierfilms“, „Die witzigsten Werbespots der Welt“ etc.), seit 1979 beim Bayerischen Rundfunk, Autor des Buches “Mein Leben zwischen Rhythm & Blues“, verheiratet, zwei Kinder.


Fritz Egner
© Archiv Egner
Fritz Egner
 

Sie haben Ihre Radio-Karriere als Toningenieur begonnen. Wie sind Sie 1974 als Deutscher zu AFN, dem amerikanischen Soldatenradio, gekommen?


Erst war ich Fan des Senders und als sich die Gelegenheit bot, den Sender zu besichtigen, weil die Stelle als Studiotechniker ausgerufen wurde, nahm ich die Gelegenheit wahr und stellte mich vor. Wider Erwarten, denn ich hatte ja keine Erfahrung mit einem Radiosender, hat man mir die Stelle angeboten. Ich hab zugegriffen, obwohl sämtliche Voraussetzungen eigentlich gefehlt haben, aber man hat mir offenbar die Leidenschaft für das Programm und die Art, amerikanisches Radio zu machen, hoch angerechnet.


Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen deutschem und amerikanischem Radio?

So wesentlich ist der Unterschied mittlerweile nicht mehr. Auch dort hat “Format”-Radio die Szene austauschbarer gemacht. Persönlichkeiten, die einem Sender die gewisse Note geben, mussten automatisierten Ansagern weichen. Das vermissen aber nur diejenigen, die es von früher anders kennen. Die Mediennutzung generell hat sich verändert, das ist Fakt, kann man beklagen, aber nicht mehr ändern.


Bei AFN haben Sie sozusagen auf einen ‘geplanten Zufall‘ gewartet, indem Sie Tag für Tag im Sender übernachtet haben, in der Hoffnung, dass eines Tages der Morgen-Moderator ausfällt, was dann auch tatsächlich eingetreten ist. Warum haben Sie nicht versucht, auf konventionellerem Weg eine Anstellung als Moderator zu bekommen?

Weil mir dafür noch sehr viel mehr an Erfahrung und Mut gefehlt haben als zum Studiotechniker. Dazu kam, dass mein Englisch dafür damals keinesfalls ausgereicht hätte.



Fritz Egner mit LaToya Jackson und Boy George
© Archiv Egner
Fritz Egner mit LaToya Jackson und Boy George


 
1979 sind Sie zu Bayern 3 gewechselt, wo Sie u.a. mit Thomas Gottschalk zusammengearbeitet haben, mit dem Sie bis heute befreundet sind. Was können Sie besser als er? Was hat er von Ihnen gelernt?

Von ihm habe ich jede Menge gelernt, er dagegen hatte mir vieles voraus, vor allem seinen Witz, seine Schlagfertigkeit und Spontaneität. Das zeigt schon, dass ich ihm nichts wirklich beibringen musste.


Sie haben Musik als Ihre erste große Liebe bezeichnet. Selbst Musiker/Sänger zu werden, war aber keine Option für Sie?

Es gibt schon so viele mittelmäßige und schlechte Musiker/Sänger, dass ich nur noch einer mehr gewesen wäre. Ich teile gerne die Musik, die mich inspiriert und emotional erfasst mit anderen und lasse die Musik von denen machen, die das auch können.



Fritz Egner und die Bee Gees
© Archiv Egner
Fritz Egner und die Bee Gees
 
 

Wie lange halten Sie es privat ohne Musik aus?
Wie wichtig ist es Ihnen, dass ein Lied auch eine Geschichte erzählt?


Zu ersterem: Nur solange ich die Luft anhalten kann.
Zum zweiten finde ich Texte, die Bilder für die Phantasie malen, besonders schön, vorausgesetzt, der Interpret kann sie so überzeugend rüberbringen, dass ich das Gefühl habe, er hat das, was er da singt, selbst erlebt. Das ist wie bei einem guten Schauspieler, dem ich auch abnehmen will, dass er zu 100 % in die Rolle schlüpfen kann, die er verkörpern soll.


Die preisgekrönte amerikanische Sängerin/Musikerin Gretchen Peters, die auch schon mit Bryan Adams und Neil Diamond gearbeitet hat, schreibt zum Beispiel Songtexte zu schwierigen Themen, die dann trotzdem in großartigen Liedern münden, wie z.B. “Independence Day“, “This used to be my town“ oder “Concrete Angel“. Leider werden solche Lieder im deutschen Radio-Programm ignoriert, weil sie eher dem Genre “Country“ zugeordnet werden, was man hierzulande ja nicht spielt, obwohl “New Country“ überwiegend eher Pop ist. Abgesehen von Spezial-Sendungen wie Ihrer (Bayern 1: “Fritz und Hits“) hat man das Gefühl, dass immer wieder mehr oder weniger die gleichen 50 oder 100 Lieder gespielt werden. Wonach richtet sich die Auswahl des alltäglichen Musik-Programms?

Musik mit sozialkritischen Texten, noch dazu in einer Fremdsprache, muss man dem Hörer erklären, dazu kommt, dass sich viele dieser Texte stark auf lokale Probleme beziehen. Gretchen Peters ist ein herausragendes Beispiel für engagiertes Handeln, verpackt in guter Musik. Country und Soul bzw. R&B wurden hierzulande von je her stiefmütterlich behandelt. Auch afroamerikanische Musiker haben häufig politische Themen behandelt und wurden hierzulande ignoriert. Wir haben allerdings kritische Singer/Songwriter wie Konstantin Wecker, der schon seit Jahrzehnten aktiv ist, der aber auch kein Massenpublikum erreicht. Da fehlt oft die Unterstützung.



Fritz Egner mit James Brown - The Godfather of Soul
© Archiv Egner
Fritz Egner mit James Brown - The Godfather of Soul
 

Es sind nicht unbedingt immer die Musiker am erfolgreichsten, die das größte Talent haben oder die Sänger mit der besten Stimme. Was machen die erfolgreichen Künstler richtiger als die anderen?

Sie haben ein untrügliches Gespür für Musik, die die Seele und die Emotionen der Menschen erreicht und bewegen kann. Dazu kommt eine Entschlossenheit auf der Bühne und im Studio, das Beste aus sich herauszuholen.


Sie haben so ziemlich jeden bekannten Musiker der 60er- bis 80er-Jahre persönlich getroffen. Tom Jones hat sogar einmal eine Stunde auf Sie gewartet, als Sie sich für ein Interview verspätet hatten. Wie ist es Ihnen gelungen, so eine hohe Akzeptanz und offenbar auch großes Vertrauen zu schaffen, insbesondere in den Anfängen, als Sie noch wenige Referenz-Kontakte vorweisen konnten?

Ich habe mich auf jedes Interview, ob bei großen oder weniger großen Namen immer bestmöglichst vorbereitet. Das spüren solche Menschen und fühlen sich entsprechend respektiert und gewürdigt. Wenn es sich um eine Berühmtheit handelt oder auch nur um einen guten Bekannten, der die Zeit mit mir teilt, empfinde ich das als große Ehre und das scheinen die Menschen zu spüren.



Fritz Egner mit Tom Jones
© Archiv Egner
Fritz Egner mit Tom Jones
 

Gibt es trotzdem jemanden, den Sie gerne getroffen hätten und wo es mit einem Interview nicht geklappt hat? Oder vielleicht anders herum, eine verpasste Chance, die Sie reut, weil Sie evtl. nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein konnten?

Da sprechen Sie eine offene Wunde an und gleichzeitig werden dadurch Lücken in meiner langen Interviewliste sichtbar. Sehr gerne hätte ich John Lennon, Ray Charles und noch einige andere, die es nicht mehr gibt, interviewt. Mal waren es Termin-Schwierigkeiten auf beiden Seiten, mal kam der Tod schneller als ich. An Aretha Franklin arbeite ich derzeit, angeblich liegt mein Interviewwunsch mit ihr auf ihrem persönlichen Schreibtisch und wenn die Queen of Soul ruft, setze ich mich in Bewegung.


Gesprächspartner Rod Stewart
© SAT1
Gesprächspartner Rod Stewart

Wann ist für Sie ein Interview ein Erfolg?

Wenn ich spüre, mein Gegenüber erzählt aus eigenem Antrieb mehr als sonst.


Auf welches Interview sind Sie besonders stolz? Welches Gespräch hat Sie besonders berührt?

Gespräche mit Muhammad Ali, Stevie Wonder, Rod Stewart, James Brown fallen mir spontan ein. Bei längerem Nachdenken kämen dann noch einige hinzu. Wenn man das Glück hat, solchen besonderen charismatischen und talentierten Menschen gegenüber zu sitzen, bleibt es nicht aus, tief beeindruckt zu sein. So geht es wohl jedem Interviewer, der nicht von seiner eigenen Eitelkeit geblendet ist.   


Es hört sich so an, als wäre immer alles glatt gelaufen oder gab es doch auch mal eine ‘Pleite‘/Panne in Bezug auf das Zusammentreffen mit einem prominenten Künstler?

Pleiten und Pannen gab es immer mal wieder, die verdrängt man. Aber von richtig großen Peinlichkeiten blieb ich verschont.


Welche Frage hätten Sie gerne einmal gestellt, haben es aber nicht gewagt?

Ich habe alle Fragen, die ich für vertretbar halte, gestellt, bin aber meistens bei den beruflichen Dingen geblieben.



Fritz Egner mit Gloria Estefan – <br>Exil-Kubanerin und Sängerin der Miami Sound Machine
© Archiv Egner
Fritz Egner mit Gloria Estefan –
Exil-Kubanerin und Sängerin der Miami Sound Machine
 

Waren Sie aufgeregt vor Interview-Terminen oder hat sich das irgendwann komplett gelegt?

Die Begegnung mit sog. Berühmtheiten setzt immer eine gewisse Spannung voraus. Auch eine gewisse Nervosität. Schließlich weiß man nie, in welchem Gemütszustand diese Menschen gerade sind und da sie ohnehin meist Ausnahmepersönlichkeiten darstellen, ist das auch ganz gut, wenn eine Art Anspannung den Geist aktiv hält.


Gibt es etwas, das Ihnen aufgefallen ist, das (fast) alle großen Musiker gemeinsam haben – neben ihrer Liebe zur Musik?

Jeder dieser großen Musiker ist eine für sich stehende Persönlichkeit mit unterschiedlichen Sensibilitäten und Fähigkeiten, aber sie haben sicher eine Professionalität erlangt, die es in der Regel leichter macht, mit ihnen auszukommen.
 


Eingerahmt von den Spice Girls
© SAT1
Eingerahmt von den Spice Girls
 


Sind Ihre Kinder beeindruckt von Ihrem Musik-Wissen und Ihren Begegnungen mit vielen berühmten Musikern?

Nein, Kinder sind da noch unbeeindruckt, bis sie in das Alter kommen, wo sie eine Beziehung zu einem Idol aufbauen und dann kommt es schon vor, dass meine Tochter (18) mich um eine Begegnung mit einem ihrer angehimmelten Stars beneidet.


Was war der Preis, den Sie bezahlt haben, welche Opfer haben Sie gebracht für Ihr Leben im Musik-Business, dafür z.B. all die Menschen getroffen zu haben, die Sie interviewt haben?

Da das öffentlich-rechtliche System nur selten für die Reisekosten zu einem Interviewtermin übernimmt, waren es in erster Linie meine persönlichen finanziellen Aufwendungen, um diese Interviews zu machen. Nur in seltenen Fällen war das rausgeschmissenes Geld.



Fritz Egner mit Joe Cocker
© Archiv Egner
Fritz Egner mit Joe Cocker
 

Wenn Sie an irgendeiner Stelle Ihres Weges nochmals die Wahl hätten, würden Sie dann etwas anders machen?

Nein, ganz im Gegenteil, ich würde nur diese großen Momente noch bewusster genießen.


Würden Sie uns zum Abschluss und zur Erinnerung an drei großartige Musiker, die wir dieses Jahr leider verloren haben, je eine kurze Anekdote erzählen:

Prince: Ein scheuer und misstrauischer Mensch, den ich nur öffnen konnte, indem ich ihm sagen konnte, mit welchen Musikern, die er verehrt, ich schon über ihn gesprochen habe, allen voran James Brown.

Glen Frey: Das war beim letzten Interview mit ihm sehr einfach, denn ich konnte ihn von meinem Freund Harold Faltermeyer grüßen, dem er seinen größten Solo-Hit “The heat is on“ zu verdanken hatte.

David Bowie saß ich mal einen ganzen Abend bei einem Dinner für die Gruppe “The Manhattan Transfer“ in Berlin gegenüber. Mir ging nach einer halben Stunde der Gesprächsstoff aus und er war ein Typ, der nicht die Initiative ergriff, um ein Gespräch im Fluss zu halten.




© Bianka Kaspar
2016
 

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