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„Unser Leben ist keine Generalprobe.“

ein Interview mit Lars Amend


– Autor und Motivations-Trainer/Coach –

Bücher: “Magic Monday – 52 Gründe morgens aufzustehen“, “Dieses bescheuerte Herz – Über den Mut zu träumen“ mit Daniel Meyer, “Mit einem Bein im Model Business“ mit Mario Galla, ““Rock your life“ mit Rudolf Schenker von den Scorpions, “Bushido“, “Der Verführungscode“ mit Michel Vincent.

Jahrgang 1978, in Gießen geboren, ehemaliger Musik-Journalist, hat in London und Rio de Janeiro gelebt, wohnt jetzt in Berlin.



Lars Amend
Fotografin: Silke Lapina
Lars Amend
Rudolf Schenker, Gründer und Gitarrist der “Scorpions“, hat Dir ermöglicht, Dein Vorbild Paulo Coelho zu treffen, was Dein Leben nachhaltig verändert hat. Hast Du mit dem brasilianischen Bestseller-Autor auch über Deine Zeit in den Armenvierteln von Rio gesprochen? Was hatte Dich veranlasst, dort 6 Monate zu verbringen? (Sprichst Du Portugiesisch?)


Ich wollte einen neuen Blickwinkel auf die Welt bekommen, auch auf meine persönliche Welt, mein Leben: Wie empfinden andere Menschen das Leben, die aus einer völlig anderen Kultur kommen, die andere Werte haben, andere Prioritäten setzen? Ich wollte das Leben wieder erleben, um es wieder wertschätzen zu können. Mit Paulo Coelho habe ich über andere Dinge gesprochen, nicht über meine Zeit in Brasilien. Nein, ich spreche kein Portugiesisch. Ich habe mit den Menschen aus Rio fast ausschließlich non-verbal kommuniziert, also über Gesten und über die Energie, die ich ausgesendet habe. Das war oftmals nicht einfach, vor allem dann, wenn die Menschen, auf die du triffst, bewaffnet und zu allem bereit sind. Der Sommer in Rio de Janeiro war sehr aufregend und erkenntnisreich.


Was ist Dein großer Traum?

Das Kollektivbewusstsein der Menschheit verändert sich gerade – langsam zwar, aber immerhin. Wir beginnen allmählich zu erkennen, dass diese Art zu leben, nicht das Richtige sein kann. Die Schere zwischen arm und reich wird immer größer, Kriege werden zunehmen, auch die Ungerechtigkeiten. Es werden noch viele schlimme Dinge passieren, bis wir Menschen als Kollektiv sagen: „Stopp, so wollen wir nicht mehr leben!“ Dann wird es einen großen Knall geben, alles wird sich dramatisch verändern und die Menschheit wird sich auf die nächste Stufe ihrer Entwicklung katapultieren. Wie die Erde dann aussehen wird? Das weiß ich nicht, aber es wird ganz sicher kein Geld mehr geben, jedenfalls nicht in der Form, wie wir es heute kennen. Es wird keine Religionen mehr geben, auch keine Landesgrenzen, Macht oder Besitzansprüche. All das wird nicht mehr nötig sein. Das wird noch einige hundert oder tausend Jahre dauern, aber nur einen Tag in dieser neuen Welt zu leben, das wäre ein Traum.


Muss man ein Optimist sein, um seine Träume zu verfolgen? Bist Du selbst einer?

Das Wort Optimist ist doch nur ein Begriff. Es geht darum, zu erkennen, dass wir nur dieses eine Leben haben. Unser Leben ist keine Generalprobe! Genau das, dieser Augenblick, jetzt gerade, das ist unser Leben. Daran muss man sich immer wieder erinnern, wenn man Wichtiges in die ferne Zukunft verschiebt, um sich den Banalitäten des Alltags zu widmen. In meinem Buch “Magic Monday“ steht: „Halte die Dinge einfach! Erster Schritt: Frag dich, was dir wirklich wichtig ist. Zweiter Schritt: Hab den Mut, dein Leben um diese Antworten aufzubauen. Dritter Schritt: Erinnere dich daran, jeden Tag.“


Wie Du sagst, ist „der Trick, auch an schlechten Tagen weiterzumachen“ und Schwierigkeiten als Prüfung zu sehen, wie sehr man bereit ist, für seinen Traum zu kämpfen. Wann wäre es Zeit, sein Ziel zu überdenken? Gab es schon mal einen Traum, den Du aufgegeben hast – obwohl Du sagst: Aufgeben ist keine Option?

Die meisten Menschen denken zu sehr an ein mögliches Ziel und erkennen nicht die unglaubliche Kraft, die in der Gegenwart liegt. Ständig sind sie mit ihren Gedanken in der Zukunft und vergessen dabei, Freude und eine gute Zeit im Jetzt zu haben. Buddha hat gesagt: „Der Weg ist das Ziel.“ Was bedeutet das denn? Hab Spaß bei den Dingen, die du tust, dann ist es unerheblich, ob du gewinnst oder verlierst, ob du einen Preis bekommst oder nicht, ob du gesellschaftliche Anerkennung bekommst oder nicht.
Als ich 20 war, wollte ich unbedingt ein erfolgreicher DJ werden. Und ich hatte alle Möglichkeiten: Ich habe für einen bekannten Radiosender gearbeitet, hatte eine eigene Show und die besten Kontakte in die Musikindustrie, aber ich habe zu wenig geübt. Ich wollte es nicht genug. Ich habe nicht alles dafür getan. Ich war zwar talentiert, aber mein Durchhaltevermögen war nicht groß genug. Das habe ich erkannt und mich dann aufs Schreiben konzentriert, weil das „mein Ding war“. Dort hatte ich genau das Durchhaltevermögen, das man braucht, den unbedingten Willen. Dort brannte das Feuer. Musik ist aber bis heute eine meiner großen Leidenschaften geblieben und im Herzen bin ich auch immer noch ein DJ. Ich habe eine riesige Plattensammlung und lege für Freunde immer noch Musik auf und mixe sie zusammen. Das meine ich, wenn ich sage: Hab Spaß bei dem was du tust, dann spielt das Endergebnis keine Rolle mehr.


Lars Amend mit dem brasilianischen <br>Bestseller-Autor Paulo Coelho.
© Lars Amend
Lars Amend mit dem brasilianischen
Bestseller-Autor Paulo Coelho.


Wie glaubt man weiter an sich und seine Ziele/Träume, wenn andere um einen herum sagen, man sei eingebildet, größenwahnsinnig u.ä.? Kommt hier der Gedanke zum Tragen, dass wie andere uns behandeln, mehr über sie aussagt, als über uns?


Absolut. Man muss sich in diesen Situationen einfach nur fragen: Wer lebt mein Leben, ich oder die anderen? Andere Menschen urteilen und verurteilen immer nur aus ihrer eigenen, subjektiven Perspektive. Sie sehen nie, was du siehst! Wenn sie zu dir sagen: „Du kannst das nicht!“, meinen sie in Wahrheit: „Ich kann das nicht und ich kann mir deswegen auch nicht vorstellen, dass du es kannst.“ Es ist dein Leben, es sind deine Träume, es sind deine Entscheidungen. Was andere Menschen von dir halten, ist bedeutungslos. Was du von dir hältst, bedeutet die Welt – einfach alles! Wenn du Entscheidungen zu treffen hast, denke immer daran: DU BIST DER WICHTIGSTE MENSCH IN DEINEM LEBEN. Du musst am Ende des Tages stolz auf dich sein. Nicht deine Familie, nicht deine Freunde. Höre auf dein Herz. Immer. Es kommt nicht darauf, dass dein Leben für die anderen gut aussieht, sondern dass es sich für dich gut anfühlt.


Ausnahmslos jeder Mensch hat Kritiker. Wie gehst Du mit Kritik um? Hast Du jemals Zweifel an Deiner Arbeit oder ist das positive Feedback überwältigend größer als eventuelle Bedenken?

Auch hier kann ich aus meinem “Magic Monday“-Buch zitieren: „Bereite dich darauf vor: Du wirst kritisiert werden! Deswegen mach, was Du im Grunde deines Herzens für richtig hältst – alles andere ist vergeudete Zeit. Es ist unglaublich befreiend, wenn du begreifst, dass du nicht alle Menschen mögen musst und dass auch dich nicht alle Menschen mögen müssen. Bleib dir und deinen Prinzipien treu und deine Glaubwürdigkeit wird dir mehr Respekt einbringen, als du dir vorstellen kannst.“


2013 kam Dein Buch “Dieses bescheuerte Herz“ über und mit Daniel Meyer heraus, dem herzkranken Jungen, dem Du seine großen und kleinen Träume/Wünsche erfüllst. Wie hattest Du ursprünglich von Daniel erfahren? Wie kam der Kontakt zustande?

Der Kontakt lief über das Kinderhospiz, das Daniel betreut. Ich hatte die Gründerin Ester Peter einige Jahre zuvor auf einem Charity-Event kennengelernt und als sie für ihre ehrenamtliche Tätigkeit mit einem Bambi ausgezeichnet und vom Bundespräsidenten zum jährlichen Sommerfest ins Schloss Bellevue eingeladen wurde, rief sie mich an und fragte, ob ich nicht Zeit für einen Espresso hätte. Bei diesem Treffen im Herbst 2012 erzählte sie mir von Daniel.


Wie geht es Daniel heute?

Ihm geht es den Umständen entsprechend ganz gut. Er ist ein richtiger junger Mann geworden und kann vieles jetzt selbstständig tun, auch ohne mich. Das finde ich ganz wunderbar. Im Frühjahr haben wir zusammen seinen 18. Geburtstag gefeiert. Das hätten wir damals niemals für möglich gehalten. Es ist so, wie ich immer sage: Wenn man erkennt, wie schön das Leben ist, auch in schwierigen Momenten, ist alles möglich.


Wie hat Dich diese Begegnung verändert?

Ich habe erkannt, dass nichts kostbarer ist als die Zeit. Das Guthaben wird immer kleiner, niemals größer.


Du hast bereits mehrere Biografien verfasst. Wie kamen diese Projekte jeweils zustande? (Hast Du die Protagonisten ‘gefunden‘ oder sie Dich?)

Was meine Bücher vereint, ist, dass sie alle zu mir kamen. Ich habe nie gesucht, aber immer gefunden. Jedes Buch, das ich geschrieben habe, war genau das richtige Buch für die jeweilige Zeit.


Über Menschen zu urteilen, ohne ihre Geschichte zu kennen, ist, wie Du sagst, ein großer Fehler. Wer hat Dich bisher am meisten überrascht?

Ganz klar: Rudolf Schenker von der Rockband Scorpions. Rudolf ist unglaublich. Ich liebe ihn. Er ist mein Mentor, mein großer Bruder im Geiste, ich habe ihm viel zu verdanken. Als wir gemeinsam an „Rock your life – Mit Spaß zu Glück und Erfolg“ geschrieben haben, spürte ich eine tiefe spirituelle Veränderung in mir. Ein unfassbares Erlebnis, das ich erst Jahre später wirklich begriffen habe.


Lars Amend mit ‘Scorpions‘-Gründer und Gitarrist <br>Rudolf Schenker bei der Präsentation ihres Buches.
© Lars Amend
Lars Amend mit ‘Scorpions‘-Gründer und Gitarrist
Rudolf Schenker bei der Präsentation ihres Buches.


Jeder Autor träumt davon, dass sein Buch ein Bestseller wird. Dir ist das inzwischen mehrfach gelungen. Was denkst Du, woran es liegt, dass Deine Bücher Bestseller werden?

Ich schreibe mit dem Herzen. Das ist das Geheimnis. Ich denke nicht darüber nach, wie Kritiker oder Journalisten meine Ideen und Texte finden könnten, sondern lasse mich von meinem Gefühl leiten. Ich glaube, genau das ist es, wenn man von Authentizität spricht. Wenn es um die Themen meiner Bücher geht, höre ich nur auf mein Herz. Es ist mein bester Berater.


„Die größte Schwachstelle des Menschen ist sein Wunsch nach Anerkennung.“, ist ein Zitat von Dir. Einige Deiner Hinweise beziehen sich wohl daher auch darauf, dass man sich selbst vollständig akzeptieren soll und sich von der Beurteilung anderer freimachen. („Was andere von Dir halten, ist bedeutungslos.“ – „Perfekt ins langweilig.“) Hast Du das selbst schon für Dich erreicht? Bei einer TV-Sendung kürzlich hast Du etwas nervös gewirkt, was dem widersprechen würde … . :- )

Nervös im Sinne von „unbedingt gefallen zu wollen“ bin ich nicht. Ich bin von Natur aus ein kleiner Zappelphilipp, vielleicht hattest du deshalb diesen Eindruck. Ich trinke zum Beispiel morgens den Espresso in meinem Lieblingscafé immer im Stehen am Tresen – so wie die Italiener das machen. Rein ins Café, kurz ein paar Worte mit dem Barista wechseln, den Espresso trinken, raus. Ich käme gar nicht auf die Idee, mich dafür hinzusetzen. Für andere mag das eventuell komisch erscheinen, aber ich liebe es, in Bewegung zu sein. Das hat nichts mit innerer Unruhe zu tun, sondern mit der Liebe zum Leben.
Du hast den Wunsch nach Anerkennung erwähnt. Als ich vor einigen Jahren angefangen habe, auf Facebook nur noch positive Energie in die Welt zu senden, war mir völlig klar, dass ich einige Menschen damit auch nerven werde und sie mich „entfolgen“. Bei jedem Posting über die Liebe oder Träume oder den Mut an sich zu glauben, verliere ich Follower. Auch heute noch. Mir macht das nichts aus. Wieso sollte es? Ginge es mir darum, Follower zu sammeln, um nach außen etwas darzustellen, würde ich ganz andere Dinge tun.


„Lass niemals deine Angst über deine Zukunft entscheiden.“ – Aber die Frage, die man trotzdem für sich klären muss, ist, ob man bereit ist, den Preis für die Erreichung seines Traumes zu zahlen.

Natürlich! Wenn du dich zum Beispiel entscheidest, das Leben eines Künstlers führen zu wollen, weil du dir nichts anderes vorstellen kannst, als jeden Tag ein Bild zu malen oder an einem Buch zu schreiben oder ein Lied zu komponieren, dann ist der Preis vielleicht, dass du am Anfang deines Weges finanziell keine großen Sprünge machen kannst. Das brauchst du in diesem Fall aber auch nicht, weil deine Erfüllung nicht in deinem Bankkonto liegt, sondern in deinem Tun: im Malen, im Schreiben, im Komponieren.


Eine Aufforderung aus dem Buch “Magic Monday“, verstehe ich nicht so recht. Wie ist das gemeint: „Triff Entscheidungen, als hättest Du 1 Mio. Euro auf der Bank. (Auch wenn Du in Wahrheit nichts besitzt.)“? Sicher doch keine Aufforderung, sich zu verschulden … ?

Für die meisten Menschen steht der Faktor Geld an oberster Stelle, deswegen richten sich auch deren Entscheidungen danach. Ich sage ganz klar: Ändere dein Mind-Set! Stell dir vor, du müsstest dir über Geld keine Gedanken mehr machen. Welchen Job würdest du dann wählen, mit welchen Menschen würdest du dich dann zum Lunch verabreden usw. Erst wenn du dich von der Vorstellung befreist, Geld verdienen zu müssen und du deine Entscheidungen eher darauf ausrichtest, was dich glücklich und zufrieden macht und was dir inneren Seelenfrieden bereitet, wirst du hinter das große Geheimnis kommen und kein Sklave des Geldes mehr sein.


Dankbarkeit für das Gute im eigenen Leben und Frieden schließen, mit den Dingen, die man nicht ändern kann. Ein Rezept für mehr Gelassenheit?

Nimm dich selbst nicht zu wichtig und vor allem: Nimm niemals etwas persönlich!


Was denkst Du, wie die Welt aussehen würde, wenn jeder, seine Träume leben könnte/würde und das tun würde, wo sein Talent und seine Leidenschaft liegen (vorausgesetzt natürlich: nicht auf Kosten anderer)?

Diese Welt hätte nichts mehr mit der Welt zu tun, in der wir heute leben.



© Bianka Kaspar
2015


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