[Interviews] [Reisen] [Lounge]

Dresden – Das Gesicht einer Stadt


Wer das Vergnügen hat, mit dem bekannten Dresdner Schauspieler und Kabarettisten Wolfgang Stumph (“Stubbe – Von Fall zu Fall“, “Go Trabi Go I + II“, “Stilles Tal“, “Bankraub für Anfänger“, “Eine Liebe in Königsberg“, “Der Job seines Lebens I + II“, „Bis zum Horizont und weiter“, “Salto Postale“ u.v.m.) durch dessen geliebte Heimatstadt zu spazieren, darf miterleben, wie er von der großen Mehrheit der Passanten erfreut gegrüßt wird. Eine Zuneigung also, die auf Gegenseitigkeit beruht und der Zuckerguss dieser Entdeckungstour ist – zu privaten Erinnerungen und zu filmischen Schauplätzen.



„Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt werden in Dresden groß geschrieben!“, schwärmt Wolfgang Stumph und lässt uns gleich daran teilhaben, indem er als einer der meistbeschäftigtsten deutschen Schauspieler für den guten Zweck zum Stadtführer wird und einen Einblick in die sächsische Mentalität gibt:
Es könnte nämlich sein, dass man an einen der Dresdner gerät, der gerade seiner ironischen Seite ein wenig ‘Freilauf‘ gewährt und den Touristen, der sich erkundigt, wie man denn zum Theater käme, mit dem Hinweis „Mit Talent.“ überrascht. Dies sei die typische ‘zweite Ebene‘, der ‘doppelte Boden‘ und nicht böse gemeint.
Dresdner sind wie alle Sachsen stets daran interessiert, etwas dazuzulernen – was ihnen manchmal natürlich auch als pure Neugierde ausgelegt werden könnte. Zum Beispiel, wenn ein Tourist einen Einheimischen nach einer bestimmten Straße fragt, die dieser nicht kennt und anstatt eine Auskunft zu bekommen, dann seinerseits gefragt wird: „Zu wem wollen Sie denn da … ?“

So überrascht uns auch Wolfgang Stumph, als wir uns im Hotel treffen und er sogleich die Geschenke auspackt (vom Reiseführer eines befreundeten Dresdners bis zur Gräfin-Cosel-Schokolade), wobei das kostbarste Geschenk noch vor uns liegt: seine Zeit.


Der französische Wallpavillon des Dresdner Zwingers <br>erbaut 1712-1716
© Bianka Kaspar
Der französische Wallpavillon des Dresdner Zwingers
erbaut 1712-1716


Die Anfänge im Staatsschauspiel Dresden

Neben der barocken Pracht des benachbarten Zwinger könnte man geneigt sein, dem Schauspielhaus, das im September 2013 seinen 100. Geburtstag feierte und sich von außen eher schlicht präsentiert, nur einen kurzen Blick zu schenken. Doch hinter den nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebauten Mauern befindet sich eines der führenden Theater Deutschlands mit einem nach historischem Vorbild gestalteten Zuschauerraum mit zwei Rängen und Platz für insgesamt 800 Personen.
Dort lag vor vielen Jahren ein junger Mann namens Wolfgang Stumph als Komparse tot auf der Bühne und bewunderte im Stillen die großen Schauspieler. Für die 1,5 Stunden gab es damals 8 Ost-Mark und weitere Nahrung für den Traum einmal selbst Schauspieler zu werden. „Als ich mit 9 Jahren mit meinen Puppen im Puppentheater gespielt habe, wollte ich schon irgendwann Schauspieler werden.“, erinnert sich der Dresdner und auch daran, dass seine Tochter, die Schauspielerin Stephanie Stumph, im gleichen Alter angefangen hatte, bei “Stubbe“ mitzuspielen.
Mit 21 Jahren bereitete er sich dann auf eben dieser Bühne für die Aufnahme auf die Schauspiel-Schule vor. Diese konnte er nach Wehrdienst, einer Ausbildung zum Behälterbauer und Studiengängen in Psychologie, Pädagogik und Maschinenbau zwar erst im Alter von 38 Jahren besuchen, doch war Wolfgang Stumph auch als Amateur stets in Kabarett und Theater aktiv und auf der Suche nach Gleichgesinnten.
An diesem Ort kreuzen sich zudem die Wege von Vater und Tochter. Denn Stephanie Stumph hat während ihres Schauspielstudiums an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig die zwei Jahre praktischer Arbeit im Staatsschauspiel Dresden absolviert.


Blick vom Hausmannsturm – Teil des Dresdner Schlosses – <br>auf den Theaterplatz mit Semperoper und Zwinger (links) <br>fotografiert von Wolfgang Stumph
© Wolfgang Stumph
Blick vom Hausmannsturm – Teil des Dresdner Schlosses –
auf den Theaterplatz mit Semperoper und Zwinger (links)
fotografiert von Wolfgang Stumph


Von “Go Trabi Go“ bis zur Operette

Während dem Schauspieler der benachbarte Postplatz nur ein Kopfschütteln entlockt und die Erkenntnis, dass dort in jüngster Zeit „Leute gebaut haben, die kein Verhältnis zu der Geschichte der Stadt haben“, geht dem Dresdner bei der Ankunft am Theaterplatz nicht nur angesichts des Anblickes von Semperoper, Zwinger, Schloss und Hofkirche das Herz auf. Hinter fast jeder Mauer ‘lauern‘ Wolfgang Stumphs persönliche Erinnerungen von seiner Entdeckung für “Go Trabi Go“ bis zu einem Wagnis auf großer Bühne, für das er sich lange nicht als ‘reif‘ genug empfand.

Entworfen von Gottfried Semper und seit ihrer Eröffnung 1841 zweimal in Trümmer gelegt, wurde die Semperoper am 13. Februar 1985 – dem 40. Jahrestag nach ihrer letzten Zerstörung – nach rund 7,5-jähriger Bauzeit in einer möglichst originalgetreuen Rekonstruktion im Stile der italienischen Renaissance wiedereröffnet. Zahlreiche Gemälde, aufwändige Stuckarbeiten und meisterliche Marmorsäulenimitationen setzen die festliche Pracht im Innern fort. Diese wird von einem ca. 1.300 Besucher umfassenden Zuschauerraum mit einer Höhe von knapp 20 Metern und vier Rängen gekrönt.

Während der abschließenden Bautätigkeiten 1984 bestaunte Wolfgang Stumph während einer Führung durch die Oper, wie deutsche und polnische Restauratoren originalgetreu die Decken-Bemalungen erneuerten, nicht ahnend, dass er fünf Jahre später auf dieser Bühne stehen würde. Die Unterhaltungssendung “Showkolade“ – moderiert von Gunter Emmerlich (ehemaligem Ensemblemitglied der Dresdner Oper) – hatte mit einer ihrer letzten Folgen den Weg in die Semperoper gefunden. Begleitet wurde sie von Wolfgang Stumph in Gestalt des Beutelgermanen, „der immer mit so einem Einkaufsbeutel auf die Bühne kam: ‘Herr Emmerlich, ich hab da mal ‘ne Frage‘ (Sächsischen Akzent bitte vorstellen!) und die Fernsehsendung mit kabarettistischen Einlagen zu aktuellen Themen unterbrochen hat:“

Bei der Erinnerung an den langen Weg dorthin schwingt immer noch ein Hauch Erstaunen in seiner Stimme mit, wenn er sagt: „Am Ende habe ich das dann doch geschafft.“

Diesen Auftritten hat es der Dresdner wiederum zu verdanken, dass er von einem Münchner für “Go Trabi Go“ entdeckt wurde, wozu ihm auch gleich zwei Anekdoten einfallen: „Ich vergesse nie, wie wir 1992 während der Dreharbeiten mit dem großen Cadillac – was heutzutage gar nicht mehr möglich wäre mit der funktionierenden Bürokratie – beim Kronentor durch den Zwinger durchgefahren sind, um den ganzen Theaterplatz herum und an die Semperoper ran. In dem wunderbaren Marmorvoyer hatten wir dann für eine Szene ein Buffet mit Bockwurst und Hummer aufgebaut.“ Und bei einer der nächsten Einstellungen für “Go Trabi Go II“, als Wolfgang Stumph und Rolf Zacher laut ‘Far, far away‘ singend im offenen Wagen um das Reiterdenkmal vor dem Opernhaus fuhren, zeitgleich eine Vorstellung zu Ende war und die ersten westdeutschen Touristen in Erinnerung an den ersten Teil des Kinofilms zu ihm kamen und meinten (2,5 Jahre nach der Wende): „Ist sie nicht schön geworden die Semperoper!?“ – Ja, das war sie, aber bereits fünf Jahre vor der Wende … .  :- )

Doch die Erfolgsgeschichte der beiden Dresdner Berühmtheiten geht weiter: „Mutig wie der Sachse ist“, hat Wolfgang Stumph später einer Rolle zugestimmt, für die er sich lange für zu jung hielt und die Vorbilder Heinz Rühmann und Otto Schenk für zu schwer. Doch manchmal ist die Devise ‘jetzt oder nie‘, denn der Schauspieler war sich sicher: „Das Angebot kommt nie wieder – in diesem Haus, in dieser Stadt, mit dieser Staatskapelle und diesem Ensemble auf dieser Bühne!“ So kehrt Wolfgang Stumph als Gerichtsdiener Frosch in der Operette “Die Fledermaus“ seit ein paar Jahren regelmäßig in die Semperoper zurück – bald zum 75. Mal.

Und wieder ein kurzes Innehalten beim Blick auf die Entwicklung der Dinge, wenn Wolfgang Stumph resümiert: „Das ist schon faszinierend!“ und zu dem Schluss kommt: „Der Zufall ist ein besserer Organisator, als wenn man eine Logistik zu einem Ziel künstlich konstruiert. Man muss sich nur treu bleiben.“


Wolfgang Stumph im ‘Bilderrahmen‘<br> des Aussichtspunkts Canaletto-Blick<br>in Erinnerung an den Hofmaler Bernardo Bellotto (1722-1780) <br>und seine großformatigen Stadtpanoramen.
© Bianka Kaspar
Wolfgang Stumph im ‘Bilderrahmen‘
des Aussichtspunkts Canaletto-Blick
in Erinnerung an den Hofmaler Bernardo Bellotto (1722-1780)
und seine großformatigen Stadtpanoramen.


Jenseits der Elbe

So sehr Flüsse Städte und Länder miteinander verbinden, wie die Elbe, die vom Tschechischen Böhmen vorbei an Dresden bis Cuxhaven in die Nordsee fließt, so sehr können sie auch Abgrenzung sein. Obwohl die Augustusbrücke direkt aus dem touristischen Geschehen rund um Semperoper, Schloss und Brühlsche Terrasse in die Neustadt führt, bleibt dieser Stadtteil für manche Besucher Fremdland. Wer jedoch den Weg auf die Brücke findet – und nicht nur, um den großartigen Blick auf die vorher genannten Sehenswürdigkeiten zu genießen –, sondern sie auch überquert, der wird am Neustädter Markt von August dem Starken begrüßt. Das vergoldete Reiterdenkmal des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs wurde 1736 am Ende einer langen Lindenallee aufgestellt und zeigt ihn, wie er von Polen kommend nach Dresden einritt, über die nach ihm benannte Brücke direkt auf sein Schloss zu.
Die Allee ist heute Fußgängerzone, flankiert von Geschäften, Cafés und Restaurants. Auf Höhe der Dreikönigskirche fällt der Blick nach rechts auf ein denkmalgeschütztes Gründerzeitgebäude von 1899, in welchem sich die Neustädter Markthalle befindet.
Wie Strahlen treffen die Straßen auf den am Ende der Allee gelegenen Albertplatz. So auch die parallel zur Fußgängerzone verlaufende Königsstraße. Einst von Matthäus Daniel Pöppelmann (u.a. Bauherr des Dresdner Zwingers) im Auftrag von August dem Starken entworfen, bildet sie heute das prächtige Herzstück des Dresdner Barockviertels. Mitte des 19. Jahrhunderts noch ein lebendiger Stadtteil, in dem Architekten des Barock, Rokoko, Biedermeier, Klassizismus und der Gründerzeiten ihre Spuren hinterlassen hatten, später im Zweiten Weltkrieg großteils verschont geblieben, war das inzwischen vereinsamte Viertel zu DDR-Zeiten bereits zum Abriss vorgesehen. Anfang der 90er-Jahre begann dann aber die umfangreiche Restaurierung.
„Es tut sich einiges.“, ist Wolfgang Stumph erfreut und erzählt von Ateliers, Kunstgewerbe und schönen kleinen Hotels, als unser Blick auf helle teils reich verzierte Häuserfassaden fällt.
Erich Kästner war nicht weit von hier geboren worden und am Albertplatz steht noch immer die Villa seines Onkels, die jetzt ein Museum zu Ehren des Schriftstellers beherbergt. Sein autobiographisches Kinderbuch “Als ich ein kleiner Junge war“ hatte folglich einige Plätze der Umgebung als Schauplatz und mit dem jungen Wolfgang Stumph einen begeisterten Leser.

Wir fahren weiter in die ehemalige Bunte Republik Neustadt, die von 1990-93 als Mikronation in der Äußeren Neustadt existierte und heute einem jährlichen Stadtteilfest ihren Namen gegeben hat. Ein Viertel – sozusagen fernab der Zwänge des höfischen und kirchlichen Lebens – heute geprägt von vielen jungen Menschen. Wir passieren ein Pantomimen-Studio und diverse Alternativ-Theater, das Kulturschutzgebiet Projekt-Theater und ein Kulturhaus für die Jugend, in dem „die Luft brennt“, wie der Dresdner feststellt. Mit der höchsten Kneipendichte Dresdens ist hier abends entsprechend viel los, wenn gefeiert und auf der Straße Gitarre gespielt wird.
Doch nicht nur Erich Kästners Füße trugen diesen in jungen Jahren durch jene Gegend. Auch Wolfgang Stumphs Schulweg verlief hier, wenn er sich auf den Weg in das 1895 eröffnete Nordbad machte, um – wie er sagt – „Für’s Leben schwimmen zu lernen“.


Wolfgang Stumph auf den Spuren seiner Kindheit <br>im Dresdner Nordbad aus der Jahrhundertwende<br> mit Jugendstil-Interieur
© Bianka Kaspar
Wolfgang Stumph auf den Spuren seiner Kindheit
im Dresdner Nordbad aus der Jahrhundertwende
mit Jugendstil-Interieur


Kunst mit Pfeil und Bogen

Den metallenen Blick in die Ferne gerichtet. Das Ziel anfokussiert und den durchtrainierte Körper bis ins Äußerste angespannt. So steht er hier unerschütterlich seit 1902, der Elbe und der Albertbrücke zugewandt. 1902 von Ernst Moritz Geyger erschaffen, hat der überdimensionale bronzene Bogenschütze bereits den Schüler Wolfgang Stumph zu künstlerischem Wirken inspiriert.
© Bianka Kaspar
So wurde seine Silhouette auf Gipsplatten geritzt, diese mit einem Draht versehen und zum Aufbessern des Taschengeldes an Bekannte und Verwandte verkauft.
Seine Bedeutung verlor sich auch später nicht, als Treffpunkt für die eine oder andere Liebschaft und als Symbol für den Kabarettisten, der auch Pfeile abzuschießen weiß.

Gleich unterhalb verläuft parallel zur Elbe ein Spazier- und Fahrradweg – für den Schauspieler von Kindheit an wunderbarer Aufenthaltsort und Beobachtungspunkt für das geschäftige Treiben auf dem Fluss von der ältesten Schaufelraddampferflotte der Welt über Lastkähne und Kanus bis zu Partybooten.
Zu den geliebten Erlebnissen seiner Jugend zählte die mindestens einmal jährliche Dampferfahrt bei Schulausflügen zur Sächsischen Schweiz und auch heute gehört das friedliche Dahingleiten auf der Elbe vorbei an Schlössern und Weinbergen zu einem Dresden-Besuch auf jeden Fall dazu.

Auf dem Rückweg in die Altstadt gesteht Wolfgang Stumph, dass es noch eine weitere deutsche Stadt gibt, die es ihm angetan hat und die er inzwischen als zweite Heimat bezeichnet: Hamburg. Insgesamt knapp vier Jahre hat der Dresdner dort durch 20 Jahre Dreharbeiten mit 50 Folgen “Stubbe“ gelebt.


Brühlsche Terrasse, Hofkirche, Semperoper und Augustusbrücke <br> von Bord eines Schaufelraddampfers aus gesehen.
© Bianka Kaspar
Brühlsche Terrasse, Hofkirche, Semperoper und Augustusbrücke
von Bord eines Schaufelraddampfers aus gesehen.


Wiedergeburt

Einer Theaterloge gleich befindet sich der lange, schmale Balkon im 1. Stock von Wolfgang Stumph’s Lieblings-Italiener “Classico Italiano“ gegenüber der Frauenkirche. Nicht selbst auf der Bühne stehen, sondern unerkannt das bunten Treiben unterhalb beobachten. Einen Luxus, den sich der Dresdner regelmäßig gönnt: „Genau gegenüber sieht man die Sonne untergehen und abends ist hier immer Aktion vom Feuerschlucker bis zum Klavier-Spieler.“
So sitzen wir beim Italiener und essen Sächsische Eierschecke (gesprochen: “Schägge“), „aber das gehört einfach dazu“.

Restaurant-Balkon<br> gegenüber der Frauenkirche <br> Wolfgang Stumph und Bianka Kaspar
© Bianka Kaspar
Restaurant-Balkon
gegenüber der Frauenkirche
Wolfgang Stumph und Bianka Kaspar
Der Ausblick wird ganz klar von der 91 Meter hohen Frauenkirche dominiert. Ursprünglich von 1726 bis 1743 erbaut wurde sie gut 200 Jahre später im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Ihre Ruine verblieb zu DDR-Zeiten als “Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung“, als Dorn im Herzen der Stadt. Ab 1982 wurde sie zu einem Symbol der Friedensbewegung und einem Ort des gewaltfreien Protestes.
Nach der Wende ging dann der sehnsuchtsvolle “Ruf aus Dresden“ für einen Wiederaufbau in die Welt und wurde gehört. Zahllose Spender aus dem In- und Ausland trugen dazu bei, dass sich der bedeutendste Steinkuppelbau nördlich der Alpen im Zeitraum von 1994-2005 wie Phönix aus der Asche wieder in den Himmel erhob. Etwa 45% des historischen Steinmaterials konnten wieder- verwendet werden. So besteht zum Beispiel der Altar aus 80% Original-Material, dessen Bruchstücke wieder am ursprünglichen Platz eingebaut wurden.
Im Wandel der Zeit wurde so aus einer finsteren Ruine nicht ‘nur‘ ein imposantes Bauwerk, sondern auch ein weltweites Symbol für Frieden und Versöhnung.

Rund um den Neumarkt, wie der große Platz vor der Frauenkirche heißt, wird ebenfalls noch baulich gestaltet. So soll auf dem ehemaligen Parkplatz des Kulturpalastes eine Häuserzeile errichtet werden, wie sie früher einmal war. Eine Ahnung davon bekommt man beim Blick auf Häuser aus den 50er/60er-Jahren mit reich verzierten Sandstein-Balkonen und Arkaden mit Sandsteinmuster. Sie waren gebaut worden in einer Zeit, als noch Geld aus materieller Produktion (Bergbau, Stahl- und Maschinenbau) vorhanden war und bevor alles in den staatlichen Sicherheitsapparat floss, wie Wolfgang Stumph erzählt.

Auch der Kulturpalast war einer der Orte, wo der Schauspieler als Amateur-Kabarettist aktiv war und später eine richtige Talkshow hatte, „wo ich z.B. Politiker angerufen habe und alle im Saal haben mitgehört. Das war schon immer sehr satirisch. Die Eintrittskarte war ein Bierdeckel und die Teilnehmer bekamen alle einen Bierkrug mit dem Henkel innen.“
Mit seiner Frau Christine stand er dort vor vielen Jahren gemeinsam auf der Bühne. Zueinander gefunden hatten sie im letzten Lehrjahr des Dresdners beim Metallarbeiter-Ensemble des Arbeitertheaters. Eine riesige Darstellergruppe, die vor 600 Kindern Märchen aufführte, wie etwa ‘Das tapfere Schneiderlein‘ und ‘Schneewittchen‘.


Blick von der Frauenkirche auf die Hochschule für Bildende Künste von Constantin Lipsius von 1887-1894 erbaut. <br>Im Hintergrund: das Sächsische Finanzministerium (links) <br>und die Sächsische Staatskanzlei (rechts hinter der Brücke)
© Bianka Kaspar
Blick von der Frauenkirche auf die Hochschule für Bildende Künste von Constantin Lipsius von 1887-1894 erbaut.
Im Hintergrund: das Sächsische Finanzministerium (links)
und die Sächsische Staatskanzlei (rechts hinter der Brücke)


Daheeme is Daheeme!

Viele Puzzle-Teile (oder der Schnittmusterbogen des Lebens, wie es Wolfgang Stumph gerne nennt) aus Kindheitserinnerungen und dem langen Weg durch eine komplizierte Nachkriegszeit und eine ebensolche
Wolfgang Stumph mit dem “Fürstenzug“ im Hintergrund, einem der größten Wandgemälde der Welt auf über 23.000 Meissner Porzellanfliesen, an dem schon sein Alter Ego ‘Wilfried Stubbe‘ mit seinem Kollegen in einer Fahrrad-Rikscha vorbeifuhr.
© Bianka Kaspar
Wolfgang Stumph mit dem “Fürstenzug“ im Hintergrund, einem der größten Wandgemälde der Welt auf über 23.000 Meissner Porzellanfliesen, an dem schon sein Alter Ego ‘Wilfried Stubbe‘ mit seinem Kollegen in einer Fahrrad-Rikscha vorbeifuhr.
DDR-Zeit vom Amateur-Kabarettisten mit diversen Ausbildungen und Studiengängen über den ersten TV-Auftritt 1980 bei der Quiz-Sendung “Punkt um Punkt“ bis zu einem der meistgesehenen deutschen Schauspieler („Stubbe“ – bis zu 9 Mio. Zuschauer) formen Ausgangspunkt und Heimat für den Dresdner.
„Ich komme gerne nach Hause. Es ist wichtig, dass man die sozialen, kulturellen und familiären Wurzeln immer wieder spürt und sie nicht abreißen lässt. Ich fühle mich mit dieser Stadt schon sehr, sehr verbunden und ich glaube, die Dresdner wissen das auch ein bisschen. Das ist schon schön.“
Wolfgang Stumph ist ein Original. Nicht ‘nur‘, weil er seiner Heimat stets treu geblieben ist („Ich hab schon immer aufgepasst, dass mein Dresden richtig ins Bild kommt.“), sich nie seinen sächsischen Dialekt abtrainieren würde und es keinen zweiten wie ihn in der deutschen Fernsehlandschaft gibt. Sondern auch, weil er sich standhaft weigert, sich für Werbung zu verkaufen, auch wenn dies bedeutet, einen sechsstelligen Euro-Betrag auszuschlagen. Wenn der Schauspieler also für etwas wirbt, wie zwei Dresdner Kinderhilfsorganisationen (siehe Spendenlinks unten) oder seine Heimatstadt, dann ausschließlich aus tiefster innerer Überzeugung:
„Wenn ich in Dresden nicht wohnen würde, würde ich mindestens 3x im Jahr hier Urlaub machen. Wenn Freunde kommen, bin ich immer froh, dass ich Besuch kriege, weil ich ihnen dann Ecken zeigen kann, die ich außerhalb eines solchen Besuches kaum mehr angucke und dabei dann immer wieder neue Sachen entdecke. Und manchmal suche ich mir auch egoistischerweise Orte raus, bei denen ich mir sage, da musst du mal wieder hin, ob sie das jetzt interessiert oder nicht.“

Oder wie es so schön in Wolfgang Stumph’s Buch „Sächsische populäre Irrtümer“ heißt: „Daheeme ist dort, wo die Gefühle am meisten Platz haben.“ und „Der Dresdner hat ein großes Herz für die, die es ehrlich meinen.“


Sonnenaufgang über Dresden <br> fotografiert von Wolfgang Stumph
© Wolfgang Stumph
Sonnenaufgang über Dresden
fotografiert von Wolfgang Stumph


© Bianka Kaspar
2013



Weitere Fotos sehen Sie hier:

 http://www.interviews-reisen.de/upload/pdfs/33_dresden.pdf 



Hat Ihnen der Artikel gefallen? Wenn ja, dann bitten wir um Unterstützung von:

Dresdner Kinderhilfe e.V.
http://www.dresdner-kinderhilfe.de[...]


Sonnenstrahl e.V. Dresden
http://sonnenstrahl-ev.org[...]Content-pa-showpage-pid-27.html



zur Druckansicht


Hinweis: Bitte nutzen Sie für den Ausdruck den Browser 'Mozilla Firefox', da ein korrekter Ausdruck beim 'Internet Explorer' technisch leider nicht möglich ist.


Startseite | Interviews | Reisen | Lounge | Kontakt | Impressum | Datenschutz