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Dem Paradies so nah

Auf der Weltkarte nur ein winziger Punkt im Indischen Ozean begeistert Mauritius Wassersportler und Landausflügler gleichermaßen mit seinen bis zu 800 Meter hohen Bergen, einer vielfältigen Flora und Fauna, Architektur vom Kolonialhaus bis zum supermodernen mit Solarstrom betriebenen Bürogebäude, einer Wintertemperatur um die 25°C und einem Wassersport-Angebot vom Kanufahren über Tauchen bis zum Hochseefischen.



Wenn Sie sich in einem Kleinbus oder Taxi mit einem sich rasant durch enge Straßen den Weg bahnenden Fahrer befinden, der auf der linken Fahrbahn fährt, ohne ein Geisterfahrer zu sein und Sie in kurzen Abständen einen bunten Tamilen-Tempel, eine katholische Kirche und eine Moschee vorbeiflitzen sehen und man Ihnen dann auch noch erzählt, dass sich die Oberhäupter der jeweiligen Glaubensgemeinschaften jedes Jahr für eine einvernehmliche Verteilung der 15 Feiertage des Landes treffen, dann … ja dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Sie sich auf Mauritius befinden.


Kreolische Kolonialvilla Eureka aus dem frühen 19. Jahrhundert
© Bianka Kaspar
Kreolische Kolonialvilla Eureka aus dem frühen 19. Jahrhundert


Kulturelle Vielfalt im Einklang

Zwangsläufig tut sich die Frage auf, warum in diesem Land mit einer der weltweit höchsten Bevölkerungsdichten etwas gelingt, womit sich der Großteil der Welt so schwer tut. Vielleicht liegt es daran, dass es auf Mauritius keine Ureinwohner gab. Die Vorfahren aller Mauritier sind irgendwann einmal zugereist – allerdings nicht immer freiwillig oder aber unter falschen Versprechungen.

Nach den Arabern im 10. Jahrhundert, die damals einen sehr erfolgreichen Seehandel betrieben, landeten die Portugiesen als erste Europäer gegen 1507 an Mauritius‘ Küste. So wurde der portugiesische Seefahrer Pedro Mascarenhas etwas später Namensgeber der Inselgruppe der Maskarenen, bestehend aus Mauritius, La Réunion und Rodrigues. Die Seemacht nutze die unbewohnten Eilande jedoch nur als Stützpunkt für Proviantaufnahme und Schiffsreparaturen.
Diesen Umstand nutze der holländische Vizeadmiral Wybrandt van Warwijck aus, als er 1598 eher durch Zufall vor der Südostküste Mauritius landete. Zu Ehren von Moritz von Oranien (niederl. Maurits) gab er der Insel ihren noch heute gültigen Namen und erklärte sie zu niederländischem Besitz. In den folgenden 112 Jahren scheiterten zwei Versuche, Mauritius zu besiedeln. So zogen sich die Niederländer 1710 endgültig zurück und hinterließen eine abgeholzte Insel mit einigen wenigen verbliebenen Sklaven aus Madagaskar, angesiedelten Sambarhirschen und Zuckerrohr.
Der fast 100 m hohe Chamarel-Wasserfall
© Bianka Kaspar
Der fast 100 m hohe Chamarel-Wasserfall
Fünf Jahre später vertrieben dann die Franzosen, die bereits 1598 das benachbarte La Réunion und Rodrigues in Besitz genommen hatten, die inzwischen angelandeten Piraten von der Vulkaninsel und benannten Mauritius – wenig originell – in “Ile de France“ um. Frankreich gelang, was den Niederlanden versagt geblieben war: die erfolgreiche Besiedelung der Insel mit ihrer Hauptstadt Port Louis im geschützten Nordwesten. Trotz aller Fortschritte war auch die französische Kolonialzeit mit einem Ablaufdatum versehen.
Am 29. November 1810 überraschten die Briten mit einem Einmarsch von Cap Malheureux im Norden aus, während die Franzosen sie vor Port Louis erwartet hatten. Angesichts der deutlichen Übermacht der Briten kam es schnell zu einer Kapitulation des Gouverneurs. So bekam Mauritius seinen ursprünglichen Namen wieder und Englisch wurde zur offiziellen Sprache erklärt. Doch die neuen Herrscher zeigten sich großzügig, was das französische Erbe anging und garantierten u.a. individuelle kulturelle Entfaltung und Religionsfreiheit. Mauritius war jetzt Teil des Britischen Empire, was dazu führte, dass im Laufe der kommenden Jahre Hunderttausende indische und einige chinesische Einwanderer auf die Insel kamen. Sie wurden nach dem Ende der Sklaverei dringend als Arbeiter auf den Zuckerrohrplantagen benötigt.

Bildung und Wohlstand sind heute die Eckpfeiler für eine tolerante, demokratische und friedfertige Gesellschaft, die andere Glaubensrichtungen, fremde Traditionen und Wertevorstellungen Tür an Tür respektiert. Für den Besucher ein außergewöhnliches Erlebnis. Und ein ungewohntes noch dazu. Denn wie oft kommt man sonst auf die Idee, Einheimische nach ihrer ursprünglichen Herkunft zu fragen?


Grand Bassin - Bedeutendste hinduistische Pilgerstätte <br> außerhalb Indiens an einem 702 m hoch gelegenen Kratersee
© Bianka Kaspar
Grand Bassin - Bedeutendste hinduistische Pilgerstätte
außerhalb Indiens an einem 702 m hoch gelegenen Kratersee


Port Louis

Fort Adelaide (“La Citadelle“) – ein Vermächtnis der Briten – lohnt den Besuch auf dem rund 100 Meter hohen Hügel hauptsächlich wegen des großartigen Ausblicks auf Port Louis’ Innenstadt, Hafen, Pferderennbahn und Bergkulisse.

Im Zentrum von Mauritius‘ Hauptstadt bietet der bunte Obst-, Gemüse- und Gewürzmarkt mit seinem geschäftigen, aber unaufdringlichen Treiben ein Erlebnis für die Sinne. In überquellenden Körben, die auch schon mal auf dem Kopf vorbeibalanciert werden, findet sich Wohlbekanntes aber auch Exotisches (wie z.B. Okra, Baumfrucht und Maniok). Obst und Gemüse müssen großteils aus Südafrika importiert werden.

Mauritius‘ meist überfüllte autobahnähnliche Nord-Süd-Verbindung frisst sich wie ein brodelnder Lavastrom durch Port Louis. Doch eine Fußgänger-Unterführung macht es möglich, vom Verkehr unbehelligt vom Markt zur Le Caudan Waterfront zu gelangen. Dort neben dem Hafen weht ein Hauch von Kapstadt. Denn der Komplex mit diversen Geschäften, Restaurants, Cafés und einem Casino ist dem zu Füßen des Tafelbergs – im kleineren Stil – nachempfunden. Im dort ebenfalls beheimateten Blue Penny Museum, einem schönen Gebäude kreolischen Stils, befindet sich einer der kostbarsten Druckfehler der Welt: die ‘Blaue Mauritius‘. Stündlich für nur 10 Minuten werden die ‘Blaue und Rote Mauritius’ von 1847, die zusammen einen Wert von mehreren Millionen Euro haben, für die Besucher beleuchtet. Neben diesen Kostbarkeiten dokumentiert das Museum die Landesgeschichte anhand alter Seekarten, Dokumente, Gemälde und Skulpturen und widmet sich zudem der tragischen Liebesgeschichte von “Paul und Virginie“ – einer Art “Romeo und Julia“ auf Mauritius.


Grand Baie - Ortschaft im Norden an einer malerischen breiten Bucht
© Bianka Kaspar
Grand Baie - Ortschaft im Norden an einer malerischen breiten Bucht


Pamplemousses – der älteste botanische Garten der südlichen Hemisphäre

Im 18. Jahrhundert als Zufluchtsort vor der Schwüle in Port Louis vom französischen Gouverneur Bertrand François Mahé de La Bourdonnais erworben und hauptsächlich als Obst- und Gemüsegarten angelegt, ist der botanische Garten heute eher eine weitläufige Parkanlage als ein systematisch angeordneter Garten. Schatten bieten 85 verschiedene Palmenarten, afrikanische Baobab-Bäume, Leberwurstbäume sowie Grapefruitbäume und Zuckerrohr. Einer der Pfade wird flankiert von Bäumen, die Staatsoberhäupter gepflanzt haben, wie z.B. Nelson Mandela, der 1998 bei seinem Staatsbesuch einen Ebenholzbaum mitbrachte.
Muss man bei manchen Pflanzen schon genauer hinsehen, um ihre Besonderheiten zu ergründen oder auch einmal den Blick hoch in die Wipfel der Bäume erheben, um dort mit etwas Glück schlafende Fledermäuse zu entdecken, ist eine der Hauptattraktionen des Gartens kaum zu übersehen. Die Blätter der Victoria Amazonica, der Amazonas-Riesenseerose, haben einen Durchmesser von bis zu zwei Metern und können daher problemlos Teichhühner und angeblich auch ein Baby tragen. Ihre bis zu 40 cm großen Blüten erstrahlen erst in Weiß bevor sie ihre Farbe in Rosa wechseln. Weniger groß, aber dennoch bezaubernd blühen unweit davon Lotusblüten in ihrem eigenen Gewässer.


Riesige Seerosenblätter im Pamplemousses Botanical Garden
© Bianka Kaspar
Riesige Seerosenblätter im Pamplemousses Botanical Garden


Dort wo die Vanille wächst

Wollten Sie schon immer einmal wissen, wie die ursprünglich aus Mittelamerika stammende Vanille wächst und wie sie in einem ihrer heutigen Anbaugebiete verarbeitet wird? Sind Sie Tee- und/oder Kaffee-Trinker und interessiert, im wahrsten Sinne des Wortes an die Wurzel Ihres köstlichen Getränkes zu kommen? Wussten Sie, dass der größte Anteil des auf Mauritius produzierten Zuckers nach Deutschland exportiert wird? Aber trotzdem noch ausreichend Zuckerrohr vorhanden ist, um 5% der Weltproduktion an Rum herzustellen?
Teepflückerin auf der
© Bianka Kaspar
Teepflückerin auf der "Bois Cheri"-Teeplantage
Kein Problem! Dies alles können Sie auf dieser kleinen Insel entdecken. Zum Beispiel auf der ehemaligen Zuckerrohrplantage St. Aubin in Mauritius‘ Süden, wo jetzt Vanille wächst und Flamingo-Blumen gezüchtet werden. Neben einer Zuckerrohr-Presse in Aktion erzählen Wandtäfelchen von den Holländern, die 1639 die ersten Zuckerrohr-Pflanzen aus Java mitbrachten. Aber was wäre ein solcher Besuch ohne ein Gläschen in der Hand, in welches mit rascher Geschwindigkeit die verschiedensten Rumsorten zum Probieren eingefüllt werden?
Und weiter geht es vorbei an endlosen Zuckerrohrfeldern, an Ananas- und Tee-Pflanzen ins Zuckermuseum “L'Aventure du sucre“, die Teefabrik “Bois Cheri“, eine Kaffeeplantage, die Rumfabrik “Rhumerie de Chamarel“ oder auch zu den letzten Salzpfannen auf Mauritius bei Tamarin.


Die Salzfelder von Tamarin
© Bianka Kaspar
Die Salzfelder von Tamarin


Mauritius Tierwelt

Während sich einige der einheimischen Vogelarten, wie z.B. Rotohrbülbül, Sperbertäubchen, Hirtenmaina, Webervögel oder Rosentaube, gleich direkt im Garten und am Hotelbalkon vorstellen, halten sich andere tierische Bewohner in den Weiten bewaldeter Naturschutzgebiete, auf kleinen vorgelagerten Inseln, unter Wasser oder in privaten Naturparks auf, wie z.B. Sambarhirsche, die vom Aussterben bedrohten Mauritius-Falken und Mauritius-Sittiche, Mangusten oder der scheue Große Tenrek, der vorwiegend in Zuckerrohr-Feldern lebt.
Riesenlandschildkröten finden sich zudem in mancher Hotelanlage oder auch bei der “Siebenfarbigen Erde“, einer eigenwilligen Gesteinsformation bei Chamarel.
© Bianka Kaspar
"Seven Coloured Earth" - ein vulkanisches Naturphänomen
Javaneraffen könnte man am ehesten bei der hinduistischen Pilgerstätte “Grand Bassin“ begegnen, da sie sich dort gerne an den Opfergaben, die zumeist aus Früchten bestehen, bedienen.
Eine endemische Vogelart werden Sie jedoch leider nicht mehr antreffen … .


Dodo – Der Nationalvogel

Als Mauritius – verglichen mit dem Festland Afrika – noch im Dornröschenschlaf der Evolution lag, lebte auf der Insel über Tausenden von Jahren ein etwas behäbiger, flugunfähiger und etwa einen Meter großer Vogel, der, wie man heute weiß, zur Familie der Taubenvögel gehörte. Da er keine natürlichen Feinde hatte, war er sehr zutraulich und brütete auf dem Boden. Mit Eintreffen der ersten Seefahrer wurde ihm dies jedoch zum Verhängnis. Sowohl die Menschen selbst, wie auch die eingeschleppten Ratten, die seine Eier fraßen, sorgten dafür, dass der Vogel vor über 300 Jahren ausstarb. In Vergessenheit geraten ist er dennoch nicht. Internationale Bekanntheit erreichte er spätestens 1865 mit Erscheinen des Kinderbuches “Alice im Wunderland“. Auch wenn auf der Welt kein einziges komplett erhaltenes Skelett eines Dodo existiert, so finden sich doch zahlreiche Nachbildungen und unzählige Zeichnungen. Auf Mauritius ist dessen Nationaltier sowieso allgegenwärtig – vom Einreisestempel über Plüschvögel und Teeschachteln bis zum geflügelten Wort auf Französisch: “faire Dodo“, was soviel bedeutet wie: ein Nickerchen machen.


Strand an Mauritius' Nordwest-Küste
© Bianka Kaspar
Strand an Mauritius' Nordwest-Küste


Welche Farbe hat das Meer?

Der mitgebrachte Roman bleibt unberührt in der Tasche liegen. Warum sich in eine Phantasiewelt begeben, wenn es doch so schön ist, die Augen selbst einfach einmal in Urlaub zu schicken. Sie herausfinden zu lassen, wieviele Schattierungen von blau und türkis das Meer haben kann. Gleichzeitig dem Rauschen des sanften Windes in den Palmblättern zu lauschen und sich von neugierigen Vögeln beäugen zu lassen.
Wer für sein Badeerlebnis hohe Wellen und starke Brandung bevorzugt, der ist auf Mauritius falsch. In den Weiten des Indischen Ozeans gelegen, ist fast die komplette Insel von einem Riff umgeben. Der Seegang in der Lagune befindet sich bei normalem Wetter dadurch auf Badewannen-Niveau.
© Bianka Kaspar
Am Ende einer Palmenallee verborgen liegt so manche Hotelanlage. Viel zu schön, um sie nur als Nachtlager und Standort für Ausflüge zu nutzen. Ein täglicher kurzer Regenschauer unterstützt die Gärtner beim Grünerhalten der tropischen Pflanzen. Das Motto ist ‘open air‘: Restaurant und Bar bestehen überwiegend aus Dächern. Überflüssige Wände würden nur die Aussicht in die Botanik und auf Wasserfall und Poolanlage stören. Die Meeresbrise hat Vorrang vor Klimaanlagen und abendliche romantische Kerzenlicht-Stimmung vor Neon.

… und wer sich auf der windabgewandten westlichen Küste von Mauritius eingemietet hat, wird zudem noch mit großartigen Sonnenuntergängen belohnt, die nur erahnen lassen, dass dort weit hinter dem Horizont Madagaskar und der afrikanische Kontinent liegen.

© Bianka Kaspar
2014

Weitere Mauritius-Fotos gibt es hier:

http://www.interviews-reisen.de/upload/pdfs/31_mauritius-flora-fauna.pdf

http://www.interviews-reisen.de/upload/pdfs/30_mauritius-sonnenuntergaenge.pdf


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